Maschinenbauer rüsten sich für kühleren Konjunkturwind

11. Mai 2001, 11:04
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Die Zuwächse bleiben auf hohem Niveau

Wien - Der heimische Maschinen-, Stahl und Anlagenbau hat im vergangenen Jahr seine Produktion um nominell 7,7 Prozent auf 183 Mrd. S (13,3 Mrd. Euro) gesteigert und damit nach einer Delle 1999 deutlich stärker zugelegt als noch vor einigen Monaten erwartet. Ein für das 2. Quartal durchgeführter Konjunkturtest zeigt jedoch eine sinkende Kapazitätsauslastung und vorsichtigere Erwartungen für den Zeitraum bis Jahresende. "Der Höhepunkt der Konjunktur ist überschritten", sagte Clemens Malina-Altzinger, Vorsteher des Fachverbandes der Maschinen- und Stahlbauindustrie Österreichs am Donnerstag vor Journalisten.

Vor allem auf Grund der im vergangenen Jahr außerordentlich gestiegenen Auftragseingänge - knapp 22 Prozent - erwartet der Fachverband für das laufende Jahr ein Wachstum von 5 statt wie bisher angenommen 4 Prozent. Dennoch zeige der Konjunkturtest dass sowohl bei den Auslandsaufträgen als auch bei den Gesamtaufträgen eine sinkende Tendenz, hielt es. "Die Zuwächse bleiben auf hohem Niveau, die 8 Prozent des vergangenen Jahres werden wir aber kaum mehr erreichen", meinte Malina-Altzinger.

Hoffnungsmarkt Asien

Während die Lieferungen in den größten Exportmarkt Deutschland heuer die ohnedies bescheidene Steigerung 2000 von 1,5 Prozent kaum mehr erreichen werden, erhoffen sich die heimischen Maschinen- und Stahlbauer gegenwärtig vor allem aus Asien - im vergangenen Jahr waren die Ausfuhren dorthin noch um mehr als 4 Prozent zurückgegangen. Die Exporte in den NAFTA-Raum würden heuer zwar bei weitem nicht so stark wachsen wie im vergangenen Jahr (22,8 Prozent), mit einem zweistelligen Wachstum könne man aber durchaus rechnen, hieß es. Auch Osteuropa gehört zu den Hoffnungsgebieten der rotweißroten Maschinenbauer.

Von den insgesamt 20 Produktgruppen des Fachverbands schlossen im vergangenen Jahr nur drei Bereiche - Papiermaschinen, Kraftmaschinen und Schienenfahrzeuge - mit Produktionseinbußen. Im vergangenen Jahr erzielte die Branche, in der rund 61.000 Österreicher beschäftigt sind, einen Exportüberschuss von rund 24 Mrd. S. Rund 70 Prozent der hergestellten Waren gehen an nichtösterreichische Abnehmer.

Nach wie vor unter den Nägeln brennt den Unternehmen ein Defizit von 1.000 bis 1.500 qualifizierten Arbeitskräften - Ingenieuren und Facharbeitern. Der Wunsch an die Politik, dem mit "Greencard"-Modellen bzw. Saisonarbeitern abzuhelfen sei nach wie vor aufrecht, sagte Malina-Altzinger. Der Fachverband überlege darüber hinaus Anreizmodelle um Inländern die entsprechenden Ausbildungen schmackhafter zu machen - als großes Potenzial sieht man die weibliche Arbeitskräfte. Über die genauere Beschaffenheit dieses Anreizmodells könne man aber erst in einigen Monaten Auskunft geben. (APA)

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