Keine Lösung für Afghanistan-Flüchtlinge in Pakistan

10. Mai 2001, 13:45
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Wer keine Papiere vorweisen kann, wird deportiert

Peshawar - Für die etwa 700.000 Afghanistan- Flüchtlinge in der pakistanischen Nordwest-Grenzprovinz ist noch immer keine Lösung in Sicht. Ohne Erfolg blieben auch die jüngsten Gespräche zwischen dem neuen Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Ruud Lubbers, und der Regierung in Islamabad.

Lubbers, zwischen 1982 und 1994 Regierungschef der Niederlande, hatte sich Montag (7. Mai) mit dem Kopf der pakistanischen Militärregierung General Pervez Musharraf getroffen. "Unglücklicherweise kann ich nicht behaupten, etwas erreicht zu haben", sagte Lubbers kurz nach der Unterredung. Mit wem auch immer er gesprochen habe, jeder habe unterstrichen, dass Pakistan seine eigenen Prioritäten setze.

Gouverneur spricht von "Wirtschaftsflüchtlingen"

Lubbers Hauptanliegen war, die pakistanische Regierung von ihrem derzeitigen harten Kurs gegenüber den Flüchtlingen aus dem Nachbarland abzubringen. Maßgeblich auf Betreiben von Syed Iftekhar Hussain Shah, dem Gouverneur der pakistanischen Nordwest- Grenzprovinz, die die vor Dürre und Krieg fliehenden Afghanen auffängt, lässt Islamabad keine afghanischen Flüchtlinge mehr ins Land, sperrt sich gegen die Anerkennung des Flüchtlingsstatus und deportiert jeden, der ohne gültige Papiere auffällt.

Shah, der mit dem 1,7 Millionen Einwohner zählenden Peshawar die Stadt mit der wahrscheinlich größten Flüchtlingskonzentration der Welt zu verwalten hat, ist nicht gut auf die notleidenden Menschen aus dem Nachbarland zu sprechen. Er nennt sie Wirtschaftsflüchtlinge und will sie zurück in ihrer Heimat sehen.

Von Bereitschaft zur Zusammenarbeit kann keine Rede sein. Nach Auffassung der pakistanischen Regierung sollen die Afghanistan-Flüchtlinge in Lager im eigenen Land untergebracht und dort vom UNHCR betreut werden. Lubbers aber ließ keinen Zweifel daran, dass er dieses Vorhaben nicht gutheißt: "Ich bin nicht hier, um Lager in Afghanistan zu eröffnen", sagte er. Die Verlegung der Flüchtlinge auf die andere Seite der Grenze sei keine Lösung.

Taliban: Arbeitserlaubnis für Frauen?

Vor dem Hochkommissar sind schon UN-Generalsekretär Kofi Annan, der im März nach Pakistan geflogen ist, und der UN- Untergeneralsekretär für Menschenrechtsfragen, Kenzo Oshima, mit leeren Händen heimgereist. Einziges Ergebnis der Lubbers-Reise könnte ein Einlenken der in großen Teilen Afghanistan regierenden Taliban im Hinblick auf eine eingeschränkte Arbeitserlaubnis für Frauen sein.

Nach Angaben eines Mitarbeiters der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF), die inoffiziell im Jallozai-Lager tätig ist, scheinen die fundamentalistisch-islamistischen Taliban Frauen die Arbeit im Gesundheitsbereich zugestehen zu wollen. Hier, meint der Helfer, müssten die Vereinten Nationen unbedingt am Ball bleiben. (IPS)

Von Nadeem Yaqub
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