Nach Airbus-Bruchlandung in Wien: Pilot verlor Lizenz

10. Mai 2001, 13:51
posten

Copilot darf weiter fliegen

Braunschweig - Nach der Notlandung eines Hapag-Lloyd-Airbus im Juli vorigen Jahres in Wien-Schwechat hat der Pilot seine Fluglizenz verloren. Das Luftfahrtbundesamt (LBA) bestätigte am Donnerstag einen Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ), wonach dem Flugkapitän "jede fliegerische Tätigkeit" untersagt wurde.

Die Maschine mit 151 Menschen an Bord war beim Flug von Kreta nach Hannover knapp einer Katastrophe entgangen. Trotz Spritmangels soll sich der Pilot nicht früh genug zur Notlandung entschlossen haben. Der Copilot darf hingegen wieder fliegen.

Die Gründe für den Lizenzentzug nannte das Luftfahrtbundesamt nicht. Offensichtlich macht die Aufsichtsbehörde den heute 56-jährigen Piloten jedoch für die Notlandung verantwortlich. Die Sprecherin des LBA verwies auf die Vorschrift, nach der einem Piloten die Lizenz entzogen werden kann, wenn er "ein ausreichend praktisches Können oder fachliches Wissen nicht mehr besitzt".

Bei der Notlandung des Airbus A-310 waren elf Menschen leicht verletzt worden. Das Fahrwerk hatte sich nach dem Start nicht einfahren lassen. Dadurch verbrauchte die Maschine mehr Kerosin als vorgesehen.

Wrack in die USA verkauft

Hapag-Lloyd hat das Wrack jener Unglücksmaschine noch im Vorjahr an ein US-Flugzeug-Verwertungsunternehmen verkauft. Die Passagiere bekamen die Kosten ihres Griechenlandurlaubs ersetzt. Das hat die Gesellschaft umgerechnet rund 2,5 Millionen Schilling (181.682 Euro) gekostet. Dazu kamen die von der Fluggesellschaft übernommen Kosten für Ärzte, die einige Passagiere konsultiert haben.

Bei dem Airbus hatte sich kurz nach dem Abheben von Chania das linke Fahrwerk nicht einfahren lassen, so dass infolge des erhöhten Luftwiderstands der Treibstoff bis zum Zielflughafen Hannover nicht ausgereicht hätte. Beim Anflug auf Wien ging dann der Sprit aus, so dass die Maschine 20 Kilometer im Gleitflug zurücklegen musste, bevor sie 500 Meter vor der Piste eine Bruchlandung machte.

Der Pilot Wolfgang A. - ein gebürtiger Salzburger - wollte ursprünglich nach München fliegen. Der Copilot hat seinerseits Budapest, Zagreb oder Graz vorgeschlagen, da ihm eine weitere Strecke angesichts des Treibstoffverlusts zu riskant erschien. Er konnte sich jedoch nicht gegen seinen älteren Kollegen durchsetzen. (APA/dpa)

Share if you care.