Spar und Wein & Co streiten um Veltliner und Bordeaux

10. Mai 2001, 18:54
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In der österreichischen Weinbranche gärt es

Wien - Nach dem monatelangen Bierstreit wird nun um Veltliner, Zweigelt und Bordeaux gestritten. Der Salzburger Handelskonzern Spar, seit November des Vorjahres mit dem Internet-Weinshop weinwelt.at online, wirft der Konkurrenz vor, "den Markteintritt mit unsauberen Methoden erschwert zu haben".

Konkret seien einige heimische Winzer, die an die Spar-Weinwelt liefern wollten, von der Handelskette Wein & Co mit der Streichung aus dem Sortiment bedroht worden. Außerdem hätten einige Großhändler Spar lange nicht beliefert, sagte der Spar-E-Commerce-Leiter Markus Kaser. Ein Vorwurf, der in der Winzerbranche nicht direkt bestätigt wird. Aber: "Solche Gerüchte gibt es seit einiger Zeit", wie ein bekannter Winzer im STANDARD-Gespräch sagt. Betroffen davon seien aber eher kleinere, noch nicht so bekannte Winzer.

Geringere Spannen

Nach Unternehmensangaben liegen die Weinwelt-Preise um zehn bis 45 Prozent unter jenen von Wein & Co. Spar-General Gerhard Drexel führt diesen Umstand vor allem darauf zurück, dass sein Unternehmen aufgrund des breiten Produktangebots mit geringeren Spannen bei den Weinen auskomme.

Der derart angegriffene Wein-&-Co-Chef Heinz Kammerer kontert:. Nicht er habe Winzern mit Auslistung gedroht. Diese seien vielmehr nicht bereit, ihre Weine im virtuellen Supermarkt zu "Dumpingpreisen" zu verschleudern. Spar wolle "mit einigen Highlights sein Supermarktsortiment und Billigimage aufwerten".

Keine Berührungsängste

Tatsächlich sind unter den über weinwelt.at angebotenen 1356 internationalen Weinen und Spirituosen auch klingende österreichische Namen wie Jurtschitsch, Bründlmayer oder Jamek zu finden. Dieses breite Angebot zeige, dass es keine Berührungsängste der Spitzenwinzer mit der Supermarktkette Spar gebe, so Spar-Vorstand Drexel.

Kammerer sieht das freilich etwas anders: Mit Winzern, die Produkte auch an Spar liefern, gebe es die Übereinkunft, deren Weine nicht im Wein-&-Co-Sortiment zu listen. Kreative Problemlösung: unterschiedliche Etiketten bei Wein & Co und weinwelt.at.

Spar macht 13 Prozent des gesamten Weinumsatzes über das Internet, nennt aber keine absoluten Zahlen. Wein & Co ist nach Eigenangaben mit einem Onlineumsatz von 15 Millionen Schilling der viertgrößte Internet-Weinhändler Europas. (Robert Zwickelsdorfer, DER STANDARD, Printausgabe 11.5.2001)

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