Journalismus: Von Einbildung zur Ausbildung

10. Mai 2001, 16:44
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Aus einem der wenigen geglückten Versuche, in Österreich Journalistenausbildung mit Niveau zu betreiben - dem "Redaktionslehrgang Magazinjournalismus" des trend/profil-Verlages - ist ein Buch entstanden. Andy Kaltenbrunner, Mitentwickler und Leiter dieses Lehrganges hat daran Beteiligte - Theoretiker, Praktiker und auch Absolventen - veranlasst, ihre in der Medienwelt gesammelten beziehungsweise erlittenen Erfahrungen und Frustrationen zusammenzufassen. Herausgekommen ist eine Sammlung von Betrachtungen, die sehr gut allen jenen als Vademecum dienen kann, die sich mit dem Gedanken tragen, ihre Arbeitskraft auf den Medienmarkt zu tragen. Ob sie nach der Lektüre der Beiträge darin "Anleitungen zum Journalismus" erkennen oder doch eher Anregungen, sich die Sache noch einmal zu überlegen, wird davon abhängen, wie stark die Berufung empfunden wird, trotz beschriebener Schwierigkeiten den Beruf des Journalisten zu ergreifen.

Die Autoren gehen das Problem, welche Bildungsvoraussetzungen Journalisten hierzulande oft fehlen, aber mitzubringen wären, von ganz verschiedenen Seiten an. Die Spannung zwischen individueller journalistischer Freiheit und vorgegebener Medienkonzentration wird ebenso behandelt wie die Sprache als Machtmittel sowie die häufig anzutreffende Unfähigkeit, mit ihr angemessen umzugehen. Ausführlich sind die didaktischen Erfahrungen besprochen, die im eingangs erwähnten Redaktionslehrgang gesammelt werden konnten. Auch die Bereiche der neuen elektronischen Medien und des Onlinejournalismus kommen nicht zu kurz.

Verdienstvoll ist ebenfalls der umfangreiche Serviceteil, in dem Interessierte Adressen und Daten zur Journalistenausbildung in Österreich und Deutschland sowie Hintergrundinformationen über die diversen Trägerorganisationen finden. (DER STANDARD, Günter Traxler, Print-Ausgabe, 10.5.2001)

Journalismus: Von Einbildung zur Ausbildung
Andy Kaltenbrunner (Hg.)
Beruf ohne (Aus)Bildung,
Anleitungen zum Journalismus
öS 262,-/192 Seiten

Czernin-Verlag, Wien 2001

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