Rauch-Kallat kündigt "Familienoffensive" an

10. Mai 2001, 14:07
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Prammer: "Nichts als hohle Worte" - Kuntzl: "Nur schmale Lippenbekenntnisse"

Wien - Eine Familienoffensive solle Österreich zum kinderfreundlichsten Land der Welt machen, erklärte Maria Rauch-Kallat, Generalsekretärin der ÖVP. Ein Meilenstein auf dem Weg dorthin sei das Kinderbetreuungsgeld, das noch vor dem Sommer im Parlament beschlossen werde, so Rauch-Kallat in einer Pressekonferenz am Donnerstag.

"Unser Ziel ist es, eine Lobby für die Kinder zu sein", stellte die VP-Generalsekretärin fest. Das Kinderbetreuungsgeld nehme auf jene entwicklungspsychologischen Erkenntnisse Rücksicht, wonach die ersten drei Jahre für die Prägung der Persönlichkeit und des Selbstwertgefühles entscheidend sei. "Die beste Betreuung für Kinder dieses Alters ist jene durch die Eltern", erklärte Rauch-Kallat.

Um auch die Väter verstärkt in die Kindererziehung zu holen, würde die Zuverdienstgrenze erhöht. Aber auch Frauen, so die Generalsekretärin, würde es dadurch erleichtert, den Fuß in der Tür der Berufswelt zu lassen. In Zeiten sich rasch entwickelnder Technologien dürften Frauen auch in der Karenz den Kontakt zur Berufswelt nicht gänzlich verlieren.

Rauch-Kallat möchte die Kinderbetreuung zur "Chefsache" erklären. "In jeder Gemeinde gibt es einen Kanalausschuss, einen Straßenausschuss, aber es gibt noch nirgends einen Kinderbetreuungsausschuss. Ich werde die Bürgermeister auffordern, in ihren Gemeinden den Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen zu erheben. Dann sollen aber nicht nur Kindergartenplätze, sondern auch Tagesmütter sowie private Kindergruppen gefördert werden", erklärte Rauch-Kallat.

Im Rahmen der Familienoffensive sollen künftig auch Kurse für junge Eltern angeboten werden, um ihnen die Unsicherheit in ihrer Erziehungsarbeit zu nehmen. Außerdem werden die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen wieder wichtig und auch ausgeweitet. Die ÖVP habe sich auch einen besseren Schutz der Kinder vor Gewalt und Missbrauch vorgenommen.

"Die optimalen Bedingungen für ein Kind sind sicher Mutter und Vater zu haben. Wenn es diese aber nicht gibt, so wollen wir die nötigen Rahmenbedingungen schaffen und die AlleinerzieherInnen entsprechend unterstützen", erläuterte die Politikerin. Um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, wünscht sich Rauch-Kallat flexiblere Arbeitszeiten, familienfreundliche Betriebe und entsprechende Kinderbetreuungseinrichtungen, die Eltern Stress nehmen. Denn "Eltern ohne Stress sind bessere Eltern", erklärte die Generalsekretärin.

Die österreichische Gesellschaft solle, so Rauch-Kallat, kinderfreundlich werden und Kinder sollen das "Allerwichtigste" werden. "Wir wollen Bewusstsein bilden, so dass Kinderlachen in Restaurants, Hotels oder in Kirchen nicht mehr stören, sondern freuen", betonte die Generalsekretärin.

SPÖ kritisiert Rauch-Kallat

Die Vorstellungen von ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat zur Familienpolitik sind am Donnerstag bei der SPÖ auf heftige Kritik gestoßen. SPÖ-Frauensprecherin Barbara Prammer meinte, die ÖVP habe in der Frauenpolitik "nichts als hohle Worte zu verkaufen". Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl sagte, die ÖVP habe "außer schmalen Lippenbekenntnissen nichts zu bieten".

Das "völlig zu Unrecht hochgejubelte Kindergeld" bringe den Frauen genau das Gegenteil der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie und werde die Österreicherinnen und Österreicher eine Menge kosten, meinte Prammer. Sie forderte eine Verbesserung der arbeitsrechtlichen Gegebenheiten nach Beendigung der Karenz. Die Ausführungen Rauch-Kallats zum Kündigungsschutz bezeichneten sowohl Prammer als auch Kuntzl als "zynisch".

Die Bundesgeschäftsführerin erneuerte die Forderung der SPÖ nach einer Kindergartenoffensive und nach der Wiedereinführung der Kinderbetreuungsmilliarde in der Höhe von insgesamt 1,2 Milliarden Schilling pro Jahr. Damit könnten jährlich 20.000 neue Betreuungsplätze geschaffen werden und der Bedarf von 100.000 neuen Plätzen wäre somit in fünf Jahren gedeckt. "Damit würde ein wesentlicher Schritt zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesetzt", sagte Kuntzl. (APA)

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