Als Herr Baron im Luftballon

12. Mai 2001, 11:00
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Wie sich an einem Wochenende das Salzkammergut von der Luft aus erleben lässt und einem dafür auch noch ein Adelstitel verliehen wird

Im Flugzeug funktioniert alles schnell und zielstrebig: Beschleunigung, Abheben, Steigflug. Hier ist alles ganz anders. Sanft hebt sich der Korb unter dem Ballon vom Boden, streichelt das junge Gras und zieht dann im leichten Wind schräg nach oben. Zuerst faucht noch der Brenner, der die heiße Luft in die bauchige Hülle bläst, aber dann ist es still, auch die Menschen in dem luftigen Gefährt schweigen für einen Moment ganz ehrfürchtig. Woher kommt diese Stille? Der Pilot erklärt sie. Der Heißluftballon fährt mit dem Wind, deshalb hört man diesen nicht und spürt ihn auch nicht. Aber der Wind ist da, er bewegt den Ballon, ohne Wind geht nichts, mit zu viel Wind aber auch nicht. Dann wäre der Start zu gefährlich, die Hülle würde, noch bevor sie voll mit Luft ist, hin- und hergerissen, und der aus Rattan geflochtene Korb könnte umstürzen.

Vor eine Ballonfahrt haben die Elemente also die Geduld gesetzt. Ein Wetterumschwung kann die geplante Luftreise im letzten Moment vereiteln, der Morgennebel kann eine Verschiebung erzwingen. Dieses Wochenende aber, hat Helmut Tucek von der "Balloon & Airship Company" in St. Wolfgang im Salzkammergut versprochen, müsste eigentlich alles passen. Eine gespannte Gruppe trifft sich am Samstag um 7.30 Uhr auf einem Parkplatz beim Irrsee. Zwei Ballons sind auf Anhängern verladen, die künftigen Ballonfahrer zwängen sich in die Notsitze der Landrover. Alles passt, wie versprochen, nur der Wind kommt nicht, wie die Meteorologen prophezeiten, aus Süd-, sondern aus Nordwest. Also kurven die Landrover ein wenig durch die Landschaft, um zu einem günstigeren Startpunkt zu kommen.

Und dann heißt es anpacken. Die fast zweihundert Kilo schwere Ballonhülle muss ausgerollt und mit Stahltrossen am Korb befestigt werden. Dann werden, zuerst mit einem Ventilator, am Schluss mit dem Heißluftbrenner, 6000 Kubikmeter Luft in den Ballon geblasen, der sich dehnt und wölbt wie eine Zirkuskuppel. Fast 30 Meter hoch ist das Gefährt, so groß wie ein zehnstöckiges Haus.

Wenn sich die leuchtende Kugel erhebt, wird der Korb aufgestellt, und die Passagiere klettern hinein. Auch Inge, die die Ballonfahrt als Geschenk zum 70. Geburtstag bekommen hat, schafft das unter Mithilfe der anderen ohne Schwierigkeiten. Ballonfahren, das hat Pilot Werner als Erstes eingeschärft, ist Teamarbeit, das gilt auch wieder beim Landen, wenn der Korb knapp über dem Boden, ohne Flurschaden zu verursachen, über eine Wiese zur Straße geschoben, die Luft aus dem Ballon gepresst und die Hülle zusammengerollt und eingepackt werden muss.

Zum Team gehört noch einer: Adi, der Verfolger. Er begleitet die Luftfahrer mit dem Auto am Boden, ist mit dem Piloten durch Handy verbunden, kennt jede Straße und jeden Feldweg im ganzen Salzkammergut und hat den Ehrgeiz, nie länger als drei Minuten nach dem Ballon an der Landestelle zu sein. Dabei treibt es den Verfolger kreuz und quer durch die Gegend. Der Ballon fährt ja nicht ständig in eine Richtung, sondern der Pilot versucht, die sich in unterschiedlichen Höhen ändernden Windrichtungen für Kurskorrekturen zu nutzen. Diesmal fährt der Ballon zuerst nach Südosten auf den Attersee zu, steigt dabei auf über 1000 Meter Seehöhe und kommt mit einer Südwestströmung in Richtung Traunsee.

Es sind die wechselnden Höhen und die sich ändernden Geschwindigkeiten, die den Reiz der Fahrt ausmachen. Der Ballon steigt, sinkt, kreist, steht - es ist wie ein Tanz. Auf 2000 Meter Seehöhe liegen die Salzburger und oberösterreichischen Seen tief unten, ein paar Minuten später streicht der Korb kaum 50 Meter über einen sich schlängelnden Bach. Die Züge der Westbahn kurven wie Spielzeugeisenbahnen durchs Alpenvorland, die Turbinen des KW Timelkam kreiseln, und ein Rudel Rehe stiebt übers Feld. In die Stille faucht immer wieder die Flamme des Brenners, der den Ballon zum Steigen bringt.

Das Schönste - da waren sich nachher so ziemlich alle einig - war die langsame Fahrt über ein Stück Wald, weniger als fünf Meter über den Baumwipfeln, zartgrünen Birken, dunklen Fichten und Föhren und frischen, roten Lärchenzapfen. Eindreiviertel Stunden dauerte das Schweben zwischen Himmel und Erde, und der Gefahr, süchtig zu werden, steht nur der Preis entgegen. Der Heißluftballon kostet je nach Größe zwischen einer halben und über einer Million Schilling, das muss sich amortisieren. Der Weg geht meist über Sponsoren, die das Fahrzeug vorfinanzieren und dafür ihr Logo von der Hülle leuchten lassen. 4500 Schilling verlangt Helmut Tucek pro Person und Flug, ab zwei Personen 4200 Schilling.

Gewiss, dafür kann man nach New York fliegen, aber dabei wird man nicht in den Adelsstand erhoben. Nach einem alten Brauch wird jedem Neuling nach der ersten Fahrt ein Titel verliehen. Er oder sie ist nun Graf, Fürstin, Durchlaucht oder Baron, nebst Beinamen wie "freischwebender Luftikus vom Irrsee" oder "mutige Sandsackwerferin zu St. Wolfgang". Diesen Namen zu vergessen ist unter Aeronauten ein ebensolches Sakrileg, wie jemals für Ballonfahren den Ausdruck Fliegen zu gebrauchen.
Horst Christoph

Information und Buchung: Balloon & Airship Company, Helmut Tucek, St. Wolfgang.
Tel. 06138/3027 oder 0664/1620007. Fax 06138/3027/4.

Kosten: Ballonfahrt öS 4500 / EURO327. Ab zwei Personen öS 4100 / EURO298 pro Person.

Wochenend-Package: zwei Übernachtungen mit Frühstück und einem Galadiner im Hotel Weißes Rössl in St. Wolfgang plus eine Ballonfahrt öS 5710 / EURO415.

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