Schmuck der Mauren

12. Mai 2005, 10:04
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Die Hauptstadt der spanischen Provinz Aragón ist berühmt für ihren Mudejár-Stil und ihren Jamón - Teruel

Bunte Banner flattern von den Jugendstilbalkonen an der Plaza Torrico, dem Hauptplatz von Teruel - alle mit der Aufschrift "Teruel existe!". Die alte, spanische Provinzhauptstadt freut sich über jüngst erreichten Wohlstand und demonstriert neues Selbstbewusstsein. Eine engagierte Bürgerinitiative hat bei der Regierung die notwendigen Subventionen für die Revitalisierung der Region durchgesetzt.

Die Provinz Teruel mit seiner gleichnamigen Hauptstadt bildet gemeinsam mit den Regionen Zaragoza und Huesca im Nordwesten Spaniens das Land Aragón, das flächenmäßig etwa einem Zehntel Spaniens entspricht. War es der Mangel an Industrie, der die Region einst zum Krisengebiet machte, so wertet man das heute als Vorzug und geht im Fremdenverkehr einen sanften Weg - die Pyrenäen im Norden, die iberische Gebirgskette im Süden, das Ebrotal, die Gebirgsgegend von Albarracín oder das flache Olivenanbaugebiet von Alcañiz bieten dafür gute Voraussetzungen. Miguel Ferrer, Präsident der Provinzverwaltung, weiß das: "Wir engagieren uns hier ganz bewusst für einen umweltbewussten Agro-Tourismus."

Was die Touristen bis heute jedoch vornehmlich hierher ins spanische Hinterland nach Teruel lockt, ist das kulturelle Erbe, vor allem der Mudejár-Stil. Hier haben sich Christen und Mauren jahrhundertelang bekämpft, hier haben sie aber auch friedlich zusammengelebt. Der Mudejár-Stil entstand im 11. Jahrhundert, als die christlichen Könige begannen, die von den Mauren besetzten Gebiete zurückzuerobern. Islamische Künstler errichteten und dekorierten hier christliche Bauwerke, vornehmlich Backsteinbauten, in traditioneller arabischer Lehmbauweise. Die Fassaden der goldfarbenen Ziegelbauten sind großzügig ausgestaltet und reichlich mit grünen, blauen oder weißen Keramik-Kacheln verziert.

Auch die berühmteste Legende der Stadt ist als imposantes Mudejár-Denkmal verewigt: Isabel de Segura und Diego Marcilla liegen in der Barockkapelle der Kirche San Pedro in weißem Marmor verewigt aufgebahrt. Um die reiche Isabel ehelichen zu dürfen, musste der arme Diego im 13. Jahrhundert innerhalb von fünf Jahren zu Wohlstand kommen. Bei seiner Rückkehr als reicher Mann fand gerade die Vermählung Isabels mit einem Adeligen statt. Wie es sich für eine tragische Legende gehört, starb Diego an gebrochenem Herzen, Isabel folgte ihm tags darauf. Bis heute pilgern tausende Hochzeitspaare alljährlich ihretwegen nach Teruel.

1986 ernannte die UNESCO den einzigartigen Mudejár-Komplex der Stadt zum Weltkulturerbe. Teruel erhielt dadurch wieder öffentliche Aufmerksamkeit, was den Tourismus der 30.000 Einwohner zählenden Stadt neu belebte. In wenigen Jahren hat man hier die Infrastrukturen erneuert und ausgebaut. Berühmt ist die Stadt außerdem für ihren zart duftenden Schinken, den Jamón de Teruel. Die Weine der Region, vor allem aus dem Somontano, haben in den vergangenen Jahren auch international Beachtung gefunden. Und die Weine aus der Region Cariñena schätzte schon Francisco Goya so sehr, dass er sie sich an den Hof liefern ließ.

Die Mauren haben auch etwas weiter im Norden von Teruel, inmitten der Montes Universales, in denen der Tajo seinen Ursprung nimmt, ihre Spuren hinterlassen: Hier liegt, verträumt und abgeschieden, auf einem schroffen Felsen hoch über dem Rio Guadalaviar, das Dörfchen Albarracín. Zartrosa Gebäude, dicke Gemäuer, buckelige Dächer und geschnitzte Holzbalkone prägen das Ortsbild des 1100 Einwohner zählenden Dorfes. Unermüdlich hat sich Chefkurator Antonio Jiménez um die Erhaltung der historischen Bausubstanz bemüht: "Wir restaurieren die Häuser nicht, wir bessern nur vorsichtig aus und bewahren ihren ursprünglichen Charakter." Das ganze Dorf wurde zum Weltkulturerbe ernannt und mit zahlreichen internationalen Preisen für historischen Denkmalschutz ausgezeichnet. "Als ich hier anfing, war das Dorf fast ausgestorben", erinnert sich Jiménez, "nun sind alle Häuser wieder bewohnt, und die Einwohner haben ihre Häuser aus eigenen Mitteln mit viel Liebe und Umsicht renoviert."

Die noch vor wenigen Jahren großteils verlassenen Häuser sind wieder alle bewohnt und belebt, einige Gebäude wurden zu ansprechenden Hotels umgestaltet, die bislang vorwiegend von Kongresstouristen genützt werden und die grandiosen Ausblicke auf das Guadalaviar-Tal werden wohl noch eine ganze Weile vereinzelten Individualisten vorbehalten bleiben. Und das sei gut so, betont Jiménez, denn "keinesfalls wollen wir uns hier zu einem Museumsdorf entwickeln". Esther Hecht

Infos: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Walfischgasse 8/14, 1010 Wien, Tel. 01 / 512 95 80, Fax: 01 / 512 95 81,

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