Grosse Nachfrage, k(l)eine Rechte

10. Mai 2001, 11:08
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Auf 400.000 Sexarbeiterinnen kommen täglich 1,2 Mio. Freier

Berlin - Die Zahl der Prostituierten in Deutschland, deren rechtliche und soziale Situation die rot-grüne Koalition nun verbessern will, wird auf rund 400.000 geschätzt. Die Nachfrage ist groß: Täglich nehmen rund 1,2 Millionen Freier ihre Dienste in Anspruch. Der Umsatz des ältesten Gewerbes der Welt beträgt Schätzungen zufolge bundesweit jährlich mehr als zwölf Milliarden Mark (6,14 Mrd. Euro/84,4 Mrd. S) .

Etwa die Hälfte der vor allem weiblichen Prostituierten in Deutschland arbeitet laut Medicine Worldwide in Bordellen, Bars und Clubs. Rund 30 Prozent empfangen ihre Kunden demnach in Privatwohnungen oder begleiten sie als so genannte Hostessen. Weitere 20 Prozent bieten ihre Dienste auf der Straße an.

Einer Studie im Auftrag des Landes Berlin zufolge haben Prostituierte im Monat rund 2000 Mark zur Verfügung. Die Frauen kommen mit ihren Kunden in der Regel erst nach einem Zahlungsvorschuss ins Geschäft, sagt Andrea Petsch vom Prostituierten-Projekt Hydra. Denn sollte ein Freier im Anschluss nicht zahlen wollen, habe die Prostituierte bisher kaum eine Chance, ihren Lohn vor Gericht einzuklagen.

Nicht alle Prostituierte gehen dem Sex-Gewerbe hauptberuflich nach. Neben den Professionellen verdienen sich laut Hydra zeitweise auch Studentinnen, Lehrlinge oder Hausfrauen Geld mit ihrem Körper. Zu einer dritten Gruppe gehören Drogenabhängige, die der so genannten Beschaffungsprostitution nachgehen. Sie hätten kaum eine Möglichkeit, sich das Geld für die Drogen anders zu beschaffen, berichtet Hydra-Mitarbeiterin Petsch.

Auch ohne Drogenabhängigkeit können die Frauen bei ihrer täglichen Arbeit schnell mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Allein schon der Vermittlung eines Kunden an eine Freundin, mit der ein gemeinsames Etablissment betrieben wird, kann bisher eine Anzeige wegen Förderung der Prostitution folgen. Für die Prostituierten ist die fehlende soziale Absicherung nach Angaben von Hydra eines der größten Probleme. So ist ihnen der Zugang zur Sozialversicherung meist verwehrt. Auch von einer Arbeitslosenversicherung können die Frauen derzeit nur träumen. Steuern auf ihr Einkommen müssen sie dagegen zahlen.
(APA/AFP)

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