Jury versprach gefühlsbetontes Urteil

21. Mai 2001, 04:10
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"Hat es uns bewegt, beunruhigt, irritiert, erstaunt?"

Cannes - Die Internationale Jury von Cannes will sich bei ihrer Entscheidung auf das Gefühl verlassen, hatten die zehn Mitglieder aus sieben Ländern einmütig bei der gemeinsamen Eröffnungs- Pressekonferenz in Cannes beteuert. "Die Filme sind für mich eine Erfahrung", erklärte die norwegische Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann, die Muse von Ingmar Bergman, die heuer den Vorsitz der Jury führt. "Das sage ich, weil die ganze Welt behauptet, ich wäre eine Intellektuelle."

"Wenn ich im Kino sitze und das Licht geht aus, bin ich eine normale Zuschauerin", so Ullmann, "wenn ich etwas empfinde, bin ich keine Schauspielerin oder Regisseurin." Es gehe nicht darum, "zu sagen, das ist der beste Film, sondern einen Film auszuwählen, der mich anspricht, der mit Emotion gemacht ist und darstellt, was es Großes gibt." "Für mich ist Kino in erster Linie Emotion. Das einzig wahre Argument ist: Hat es uns bewegt, beunruhigt, irritiert, erstaunt?", schloss sich der französische Schriftsteller und Regisseur Philippe Labro an.

Wie man im Nachhinein weiß, fiel es der Jury nicht allzu schwer, diese ihre Vorsätze einzuhalten. Bei der Goldenen Palme für Nanni Moretti war eine gefühlsbetonte Entscheidung ebenso gerechtfertigt wie eine sachlich-argumentative; und bei den Preisen für Isabelle Huppert und zacharias Kunuk galt dasselbe. (hcl/APA)

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