Vierte Staffel: England, Slowenien, Polen, Deutschland, Estland

10. Mai 2001, 00:00
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Sex, Groove & eine weitere Favoritin

16) ENGLAND:

(Und, jaja, es heißt: "Vereinigtes Königreich", aber bilden Sie daraus mal ein Adjektiv ...)

Der englische Beitrag zählt alljährlich zu den Top-Favoriten, und das ist mit Lindsay D(racass) heuer nicht anders. In den letzten Jahren als Background-Sängerin durch die Lande getingelt, präsentiert sie sich nun erstmals als Solo-Künstlerin. Und eine bessere Starthilfe, als von Songwriting-Profi Russ Ballard (Kiss, Roger Daltry, Santana) ein Lied geschrieben zu bekommen, konnte sie sich auch kaum wünschen.

"No Dream Impossible" hat zwar sicherlich nicht das Format seiner früheren Werke wie "So You Win Again", aber für den Song Contest ist es wie maßgeschneidert. Dancefloor-Beats, ein wummernder E-Bass und darüber ein schlagerhaft euphorisierender Melodiebogen (kombiniert mit entsprechendem Text, siehe Titel): Die perfekte Favoriten-Schablone somit und auch zeitgemäß - jedenfalls wie der Grand Prix dies definiert.

Auch in diesem Stück gibt es ein kleines Rap-Intermezzo. Hoffentlich übertreibt Lindsay das Extemporieren nicht - das kann ins Auge gehen.

17) SLOWENIEN:

Slowenien setzt England fort wie Allerseelen Allerheiligen - bloß eben mit Tempo. In "Energy" wechseln einander nach bedeutungsschwangerem Beginn Dance-Beats, beethoveneske Klavierkaskaden und nach dem Baukasten-System entstandene Text-Zeilen wie "I feel such energy / I'm in ecstasy ..." ab. Explosionen knallen, Gitarren schwirren und überhaupt werden hier alle Register gezogen.

Gesungen wird der Beitrag von Nusa Derenda, einer Profi im Musi-Biz, mit diversen Preisen in ihrer Heimat bedacht und sicher nicht ohne Wirkung auf das (männliche) Publikum bleibend.

18) POLEN:

Bei der anderen Hälfte des Publikums (bzw. der nicht unbeträchtlichen schwulen Fan-Gemeinde des Grand Prix) wird dann dafür Piasek aus Polen punkten. Allerdings hängt das ganz davon ab, in welcher Aufmachung sich der Pin-up-Boy - in seiner Heimat längst ein Star - dem Bewerb stellen wird. So tritt er im Video zu seiner Nummer "2 long" als eine Art schnurrbärtiger Ost-Raab auf ... und ist darin kaum wiederzuerkennen.

Über den Song an sich lässt sich in erster Linie sagen, dass hier offenbar die Song Contest-Geschichte brav gelernt wurde. Happy-Sound par excellence, inklusive Saxophon-Einsätze, die direkt den 80ern entsprungen scheinen - das gibt mit Sicherheit Punkte von Norwegen bis Schweden.

19) DEUTSCHLAND:

Was noch sagen über Michelle? Wir haben ihr und ihrem Song "Wer Liebe lebt" ("Who Lives For Love") bereits einen eigenen Artikel gewidmet und uns aus naheliegenden Gründen in erster Linie mit ihrer Stimme beschäftigt. (Entschuldigung, aber wir sind jedesmal Anhören wieder ehrlich verblüfft, was für ein unglaublich helles Organ diese erwachsene Mutter von zwei Kindern hat.)

Darum zur Abwechslung mal etwas zur Optik: Bei der Vorausscheidung rätselten wir schon die ganze Zeit über, an wen uns Michelle erinnert ... Also: wer hat das Ärzte-Video "Manchmal haben Frauen ein kleines bisschen Haue gern" gesehen?! - Na, Michelle sieht doch der Frau, die Sänger Bela blutig prügelt, enorm ähnlich - abzüglich der ganzen Muskelmasse natürlich.

Ist aber sowieso nicht nötig, dass sie noch weitere Sympathie-Punkte einheimsen muss, denn trotz freundschaftlichen Ätzens (das muss sie schon aushalten) mögen wir Michelle. Und die österreich-spezifische Piefke-Fresserei in Sachen Song Contest wird an dieser Stelle ausdrücklich nicht geteilt.

20) ESTLAND:

"Are you ready?" - "C'mon baby!" - "Ahaaa!" - "It's party time!" usw. So lässt sich also das Duett "Everybody" von Tanel Badar & Dave Benton an. Auch dieses Duo setzt auf den Schachbrett-Effekt, den wir schon bei Portugal gesehen haben - in diesem Fall in Form einer Mischung aus einem blassen Jüngling (Badar) und einem gut abgehangenen dickeren dunkleren Herrn (Benton), der bei der Vorausscheidung das Hemd bis zum Äquator aufgeknöpft trug.

R'n'B erkennen wir darin wieder, deutlich auch einen Disco-Touch a la 70er - und irgendwie erinnert "Everybody" auch an "Celebration". Ein retardierendes Element wie aus dem Lehrbuch ist ebenfalls vorhanden.

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Malta, Griechenland und Gastgeber Dänemark werden unsere Aufstellung morgen komplett machen. (Josefson)

LINKS

Lindsay D

Nusa Derenda

Piasek

Michelle

(Information: Nicht alle TeilnehmerInnen verfügen über eine eigene Homepage.)
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