Koze ohne "t"

11. Mai 2001, 23:18
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...und weitere Club- Wichtigkeiten am Wiener Wochenende

Dieses Wochenende kann man sich getrost ein Zimmer im Hilton nehmen, denn von dort in die Meierei im Stadtpark ist es bekanntlich nur dreimal umfallen. Warum? Weil zum Beispiel am Freitag DJ Koze (ohne "t"!) an den Plattentellern, die die Nacht bedeuten, steht. Stefan Kozalla kommt aus dem Umfeld des Hamburger Pudel-Clubs, und dieser steht bekanntlich für jene Unberechenbarkeit, die man sonst in der gefrorenen Fischregion Norddeutschland eher selten antrifft. Nachsagen tut man Koze jedenfalls eine Neigung zu Disco, House und HipHop, die er höchst eigenwillig zu mischen versteht. Zu Gast ist Koze im Klein Social Club, und die heimischen Mika werden zudem ein musikalisch verwandtes Live-Set spielen.
11. 5. 3., Meierei im Stadtpark 22.00

Tags darauf findet am selben Ort eine Circulation statt: also jenes regelmäßige Tanzvergnügen, bei dem DJ Demon Flowers Gäste, die seiner Idee von Funk entsprechen, an die Plattenteller bittet. Dieses Mal kommt Andy Carthy alias Mr. Scruff in den Stadtpark. Der Brite pflegt jene gewisse verspielte Räudigkeit in seinen Produktionen, die sich von Hochglanz-Gähnern wohltuend abhebt. Vertrauen Sie nicht mir, aber vertrauen Sie Mr. Scruff!
12. 5. 3., Meierei im Stadtpark. 22.00

Osmosis wird eins. Also ein Jahr alt. Ein wenig lässt sich dieser Umstand mit einem heranwachsenden Baby vergleichen: Das kann mit einem Jahr auch noch nicht sprechen. Genauso wenig wie die dort verlegte wortlose House-Musik. Das würde der Betreiber Sven Gächter jetzt so natürlich nicht gelten lassen - aber der kann sich gerade nicht wehren. Zum Ausblasen der ersten Kerze auf der Geburtstagstorte des zahnlosen Clubs (böse, weiß eh) erscheinen hinter den Plattentellern Erdem Tunakan und die First Lady des Techno dieser Stadt Electric Indigo. Was Osmosis ist? Ein Sonntagsclub im Volksgarten-Pavillon, der versucht, wegen schwul, lesbisch und hetero kein großes Aufsehen zu machen, sondern einfach ein angenehmes Umfeld für einen Abend schaffen will. Andererseits: wollen das nicht alle Clubs?

Die musikalischen Mittel für dieses Unterfangen stammen jedenfalls meist aus dem Deep-House-Genre, und das Modewort "funky" wird wohl auch strapaziert werden.
13. 5. Volksgarten-Pavillon, 1., Burgring 1. jeden Sonntag ab 20.00
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 5. 2001)

Von
Karl Fluch

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