Klestil appelliert für ein ungeteiltes Europa

9. Mai 2001, 19:23
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Die gesamteuropäische Einigung müsse nachgeholt werden

Wien - Mit einem Appell für die "Offene Gesellschaft" hat Bundespräsident Thomas Klestil im Wiener ORF- Radiokulturhaus das zweitägige Symposion "Die Zukunft Europas" eröffnet. "Die Öffnung ist keine strategische Neuorientierung, sondern das Nachholen des ursprünglichen, größeren Projektes der gesamteuropäischen Einigung, das damals durch den Ausbruch des Kalten Krieges nicht verwirklicht werden konnte", erklärte Klestil Österreich komme dabei in diesem Prozess eine Schlüsselrolle zu.

"Ich meine, dass Österreich aus seiner Geschichte heraus eine besondere Verpflichtung hat, für das größere Europa einzutreten", so der Bundespräsident. Kaum ein Land sei von der EU- Erweiterung mehr und direkter betroffen als Österreich und "kaum ein Land wird aber auch mehr davon profitieren. Von der einstigen Randlage in der Zeit des Kalten Krieges rücken wir wieder in die Mitte des zusammenwachsenden Kontinents."

Forderung nach einem "regen geistig-kulturellen Austausch"

Ein ungeteiltes Europa brauche "einen regen geistig-kulturellen Austausch, um in der Welt von morgen erfolgreich bestehen zu können", erklärte Klestil. Aus diesem Grund sei es "eine verhängnisvolle Verkürzung, das Wachsen des größeren Europa auf wirtschaftliche Interessen und Notwendigkeiten ... zu beschränken."

Klestil sprach sich auch für die direkte Wahl des Präsidenten der Europäischen Kommission durch die Bürger der Union aus. Als Redner und Diskussionspartner des zweitägigen ORF-Symposiums sind unter anderem Tschechiens Parlamentspräsident Vaclav Klaus, OMV-Generaldirektor Richard Schenz, EU-Haushaltskommissarin Michaele Schreyer und ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch sowie andere Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vorgesehen.(APA)

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