Ohne Disziplin kein Erfolg - von Conrad Seidl

10. Mai 2001, 11:23
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Wozu Erziehungsverträge?

Brave Kinder, liebevolle Eltern, engagierte Lehrer. Wenn der pädagogische Alltag so aussähe, brauchte man über jene jetzt so umstrittenen "Verhaltensvereinbarungen" gar nicht erst nachzudenken. In Österreichs Schulen sieht es aber anders aus: Es gibt Unterrichtsstunden, in denen man kaum einen Satz zu Ende bringen kann, ohne dass man ihn mit einer Ermahnung des einen oder anderen Schülers unterbrechen muss.

Haben denn diese Kinder kein Benehmen gelernt? Jedenfalls nicht in dem Maß, wie es für ein erfolgreiches Lernen notwendig wäre. Ohne Disziplin gibt es keinen Erfolg - das klingt schrecklich altmodisch. Der Gedanke weckt so böse Erinnerungen an missbrauchte Autorität, unterentwickelte Kritikfähigkeit und verkrümmte Seelen, dass bei vielen Eltern eine hilflose Laisser-faire-Haltung eingerissen ist. Weil sie selber keine Autorität aufgebaut haben, kommen sie mit ihren Kindern nicht zurecht. Weil sie mit der Erziehung überfordert waren, haben sie sich darauf eingelassen, die Kinder durch andere "betreuen" zu lassen.

Und wenn gar nichts mehr hilft, muss eben die Schule heran.

Das kann, wie gesagt, nur eine Notlösung sein - in der idealen Schule brauchte es keine Vereinbarungen über richtiges und falsches Verhalten, weil dort alle Kinder wohlerzogen hinkämen. Dieses Ideal wurde, wie sich jeder erinnern wird, nie erreicht. Bedenklich ist, dass sich der Schulalltag - wie es kürzlich auch die deutsche Zeit festgestellt hat - immer weiter davon entfernt. Daher muss die Selbstverständlichkeit vereinbart werden, dass der Unterricht wichtiger ist als Störungen. Das dient dem Schutz derer, die lernen wollen. Dass in die Durchsetzung dieses Prinzips die Schüler eingebunden werden, ist jedenfalls ein Fortschritt gegenüber der Rohrstock-Pädagogik. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 5. 2001)

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