Stromloses Kalifornien

9. Mai 2001, 19:01
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Erneute Ausfälle bieten Vorgeschmack auf schlimmen Sommer

San Francisco - Kalifornien bekommt in diesen Tagen einen Vorgeschmack auf einen Sommer ohne verlässliche Stromversorgung. Am zweiten Tag in Folge haben am Dienstagabend Zehntausende Haushalte im US-Bundesstaat Kalifornien ohne Strom auskommen müssen. Betroffen waren möglicherweise bis zu 400.000 Haushalte, kündigte die Behörde ISO an, die das staatliche Stromnetz kontrolliert. Bereits am Montagabend waren in 225.000 Haushalten die Lichter ausgegangen. Grund sind die anhaltende Energiekrise in dem Bundesstaat und die derzeit hohen Temperaturen. Trotz eines Aufrufs zum Energiesparen schalteten auch am Dienstag viele Menschen beim Nachhausekommen ihre Klimaanlage ein, sodass der Stromverbrauch sprunghaft anstieg.

In Kalifornien sind vier Kraftwerke wegen Reparaturarbeiten außer Betrieb; andere Kraftwerke im Westen des Landes haben wegen der Hitzewelle keine Kapazitäten frei. Zwei der größten Stromanbieter des Bundesstaates, Pacific Gas & Electric (PG and E) und Southern California Edison stehen wegen der fehlgeschlagenen Liberalisierung des Strommarktes und der höheren Preise am Rande des Bankrotts. PG and E hatte Anfang April Konkurs angemeldet. Die Stromversorger dürfen die steigenden Kosten nicht an die Verbraucher weitergeben.

In den heißen Sommermonaten wird mit weiteren häufigen Stromausfällen gerechnet, was auch der ohnehin schon geschwächten Wirtschaft schaden würde. Auch in anderen Teilen der USA drohen Versorgungsengpässe, etwa in New York City. Doch nirgendwo sollte es so schlimm werden wie an der Westküste. (AFP/red/DER STANDARD, Printausgabe 10.5.2001)

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