Tourismus: Zwei Prozent mehr Lohn

9. Mai 2001, 19:10
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Gewerkschaft kritisiert neuerlich erhöhtes Kontingent für Saisonniers

Wien - Die Lohnverhandlungen im Hotel- und Gastgewerbe sind abgeschlossen: Die Kollektivvertragslöhne für die knapp 150.000 Mitarbeiter in der Branche erhöhen sich mit 1. Mai 2001 und mit 1. Mai 2002 um jeweils zwei Prozent. Die Mindestlöhne werden von derzeit 12.510 Schilling (909 Euro) in drei Jahresschritten bis zum 1. Mai 2003 auf 1000 Euro (13.760 Schilling) angehoben. Das entspricht einer Steigerung von knapp zehn Prozent. Zuschläge wie der Nacht- oder Fremdsprachenzuschlag werden um zehn Schilling erhöht, geringfügige Beschäftigung bleibt verboten.

Trotz der erzielten Resultate bleibe für die Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD) noch viel zu tun, sagte Vorsitzender Rudolf Kaske. Kritik übte er vor allem am erhöhten Kontingent für Saisonniers sowie an der "Abfertigung neu". Ende April habe es in der Tourismusbranche eine Zunahme der Arbeitslosigkeit um 0,8 Prozent oder etwa 2400 Personen gegeben. Trotzdem werde das Saisonnierkontingent für den Sommer von 2920 auf 4785 Personen erhöht. Saisonniers seien die billigeren Arbeitskräfte, arbeitslose und bereits in Österreich lebende Ausländer seien daher oft nur zweite Wahl, kritisierte Kaske.

Im April 2001 waren im Tourismus offiziell 35.247 bewilligungspflichtig beschäftigte Ausländer tätig, um zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Eine Ende April veröffentlichte Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts, wonach der heimischen Wirtschaft bis 2005 rund 165.000 Arbeitskräfte fehlen würden, bezweifelt Kaske. "Frauen, über 55-jährige, bereits in Österreich lebende Ausländer und nicht zuletzt die etwa 180.000 Arbeitslosen bilden ein Beschäftigungspotenzial, das nicht außer Acht gelassen werden sollte", sagte der HGPD-Vorsitzende.

Gegen Abfertigung neu

Kaske sprach sich auch gegen die Abfertigungspläne der Bundesregierung aus. In einem Sechs-Punkte-Katalog fordert die Gewerkschaft einen Abfertigungsanspruch ab dem ersten Tag, ein Mitnehmen des Abfertigungsanspruchs bei einem Arbeitsplatzwechsel und eine Abfertigungskasse nach dem Modell der Bauarbeiter. Außerdem sollten Arbeitnehmer die Möglichkeit bekommen, die Abfertigung auch als zweite Pensionssäule angerechnet zu bekommen. Steuerliche Begünstigungen bei der Abfertigung dürften nicht angetastet werden. (APA/DER STANDARD, Printausgabe 10.5.2001)

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