Japans Jugendliche verlieren immer mehr den Kontakt zur Realität

9. Mai 2001, 17:23
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40 Prozent der "Hikikomori" Kranken sind im Alter von 16 bis 25 Jahren

Tokio - In Japan gibt es nach offiziellen Angaben immer mehr Menschen, die unter Selbst-Isolatierung leiden und ihre Fähigkeit zum Kontakt mit der Umwelt verlieren. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums stellte eine neue Studie in Tokio zu dem in Japan "Hikikomori" genannten Krankheits-Phänonmen vor, wonach rund 40 Prozent der Betroffenen Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren sind.

Experten glaubten, die Isolierung könnte auch ein Faktor für die Zunahme von Gewaltverbrechen in der modernen japanischen Gesellschaft sein. Unklar blieb, wie viele Japaner insgesamt an der "Hikikomori"-Störung leiden. Schätzungen gehen laut japanischen Medienberichten von 500.000 bis eine Million aus.

Psychologen sagten, mögliche Ursachen für die Störung seien vor allem Depressionen oder auch Aufmerksamkeitsstörungen. Noch verfüge Japan über zu wenig kompetente Beratungsstellen für diesen Problemkreis.

Laut der Studie dauerte die soziale Isolierung der Betroffenen in der Regel sechs Monate. Acht Prozent der Patienten hatten sich über zehn Jahre lang von der Welt abgeschottet und ganz ins Private zurückgezogen. In der Studie wurden 6.151 Fälle im Zeitraum eines Jahres erfasst. (APA/Reuters)

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