CSU gegen "Brüskierung" Schüssels durch Schröder

9. Mai 2001, 20:33
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Deutscher Regierungssprecher Heye: Keine Irritationen

Berlin/München/Wien - Die in Bayern regierende CSU hat am Mittwoch gegen den geplanten Ablauf des Wien-Besuchs des deutschen Kanzlers Gerhard Schröder am 25./26. Mai protestiert und von einer "unerhörten Brüskierung" der österreichischen Bundesregierung durch den Regierungschef der Bundesrepublik Deutschland gesprochen. Der deutsche Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye wies unterdessen Berichte über angebliche Irritationen zwischen Wien und Berlin wegen des Besuchsprogramms zurück.

Wie Heye in Berlin mitteilte, wird Schröder am 25. Mai nach seiner Ankunft in Wien zunächst mit Vertretern der SPÖ zusammenkommen. Am Tag darauf sei das Treffen mit dem österreichischen Amtskollegen Wolfgang Schüssel vorgesehen. Dies alles sei ein "selbstverständlicher Vorgang", betonte der Regierungssprecher in Berlin.

Der außenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im deutschen Bundestag, Christian Schmidt, erklärte, Schröder scheine es "darauf anzulegen, unsere Nachbarn immer wieder zu brüskieren". Dass sich der Kanzler mit Vertretern der "Widerstandsszene" gegen die österreichische Regierungskoalition treffen wolle, sei "unglaublich". Dies sei eine "rechthaberische Trotzreaktion mit gezielter Demütigung von Bundeskanzler Schüssel." Schröder zerstöre "das mühsam wieder aufkeimende Vertrauen zwischen Deutschland und Österreich."

Schröder will am 25. Mai auf Einladung des Künstlers Andre' Heller als Gast an einem Gartenfest der "Aktion Kritischer Wähler" teilnehmen. Schröder nehme sich damit für Regierungskritiker mehr Zeit als für Schüssel. "Österreichs Diplomaten sind in Aufruhr", berichtete das Wiener Nachrichtenmagazin "Format".

Für Verstimmung auf deutscher Seite hatte laut Deutscher Presse-Agentur ein Auftritt von Vizekanzlerin und FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer im März in Berlin gesorgt. Sie hatte es als "selbstverständlich" bezeichnet, dass Schröder auch mit FPÖ-Ministern zusammenkomme. Ihr Vorgänger als Parteichef, Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider, hatte den deutschen Kanzler als "Koffer" beschimpft. (APA/dpa)

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