Deutsche Produktion stärker gesunken als erwartet

9. Mai 2001, 15:17
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Noch vier Monate Konjunkturflaute erwartet

Berlin - Die deutsche Industrieproduktion ist im März vor allem wegen eines regelrechten Einbruchs im Bauhauptgewerbe deutlicher gesunken als von Analysten erwartet. Im März habe das Produktionsniveau saisonbereinigt zum Vormonat um 3,7 (Februar plus 0,6) Prozent abgenommen, teilte das deutsche Finanzministerium (BMF) am Mittwoch in Berlin mit. "Die konjunkturelle Abschwächung hat nunmehr auch auf die Produktionsentwicklung übergegriffen", erklärte das BMF. Wie üblich sei aber für März mit einer deutlichen Aufwärtskorrektur der Daten zu rechnen. Analysten hatten im Durchschnitt nur ein Minus von 1,3 Prozent zum Vormonat prognostiziert.

Zum deutlichen Produktionsrückgang habe vor allem der Bausektor beigetragen. Die Produktion im Bauhauptgewerbe sei um 13,6 Prozent eingebrochen. Teilweise führte das Ministerium diese Entwicklung auf das Wetter zurück, das im März stärker als im vergangenen Jahr Arbeiten im Außenbereich behindert habe. Außerdem habe eine rückläufige Nachfrage erstmals seit dem vergangenen Oktober zu einer Abnahme der Erzeugung im Verarbeitenden Gewerbe (minus 3,0 Prozent) geführt. Das Minus bei der Gesamterzeugung habe in Westdeutschland 3,4 Prozent und in Ostdeutschland 5,7 Prozent betragen.

"Die Zahlen waren schon hart", kommentierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen das Minus der Industrieproduktion im März. Offenbar wirke sich die weltkonjunkturelle Abkühlung nun doch stärker aus als zunächst erwartet. Auf Grund der Exportorientierung der deutschen Volkswirtschaft mache sich die Konjunkturflaute in den USA doch deutlich bemerkbar. Allerdings erwartet Solveen hier eine Belebung im zweiten Halbjahr, so dass auch in Deutschland die Frühindikatoren ab Sommer in einen Aufwärtsschwenk drehen könnten. Allerdings sei erst ab dem vierten Quartal mit einer Trendwende bei Industrieproduktion und Auftragseingängen zu rechnen. (APA/Reuters)

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