Schwerkraft-Billard mit tödlichem Ausgang

12. Mai 2001, 18:06
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Ein Planet wurde von seinem Nachbarn in den Stern HD82943 geschubst

London - Astronomen haben erstmals nachgewiesen, dass ein Stern einen Planeten "geschluckt" hat. Der noch sehr junge Planet war nach Annahmen eines Astronomenteams zuvor von einem Nachbarn gefährlich nah an das gemeinsame Zentralgestirn gelenkt worden.

Das Planetensystem ist rund 90 Lichtjahre (ein Lichtjahr entspricht 9,5 Billionen Kilometer) von der Erde entfernt und wird von den Astromonem auf ein Alter von erst 100 Millionen Jahren geschätzt. Zum Vergleich: Die Erde kreist seit rund 4,5 Milliarden Jahren um die Sonne.

"Schwerkraft-Billard"

Der Forscher Garik Israelian vom Astrophysikalischen Institut der Kanarischen Inseln auf Teneriffa und seine Kollegen berichten in der neuesten Ausgabe des britischen Fachjournals "Nature", dass die Ursache für den Absturz des Planeten in den fernen Stern durch eine Art "Schwerkraft-Billard" mit einem anderen Planeten ausgelöst worden sein könnte.

Der Stern HD82943 ist der Sonne sehr ähnlich. Er besitzt nach den Erkenntnissen der Astrophysiker zwei Trabanten, die in ihrer Größe den Riesenplaneten Jupiter noch übertreffen. Einer dieser Planeten umkreist HD82943 auf einer sehr exzentrischen Bahn. Israelian und seine Kollegen meinen, dass dieser Planet die Bahn von mindestens einem weiteren Planeten so sehr gestört hat, dass dieser letztlich schon bald nach seiner Entstehung in die Sonne gestürzt ist.

Lithium 6

Dieser erste Nachweis des Absturzes eines Planeten in einen Stern gelang mit Hilfe eines empfindlichen UVES-Spektrographen am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile. Die Astrophysiker wiesen damit sehr hohe Gehalte des seltenen Isotops Lithium 6 in der Gashülle der Sonne mit der Bezeichnung HD82943 nach. Wie sie in "Nature" berichten, wird das Lithium 6 schon sehr früh in der Entwicklung einer Sonne atomar verbrannt; auf den Planeten der Sonne bleibt das Lithium 6 dagegen erhalten.

"Die Vermutung, dass so etwas vorkommt, lag in der Luft", sagte Jakob Staude vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. "In den vergangenen Jahren haben Astronomen viele Planeten gefunden, die ihr Zentralgestirn auf sehr engen und vermutlich instabilen Bahnen umkreisen." (APA/dpa)

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