Ostdeutschland: Vor elf Jahren aus der Atomenergie ausgestiegen

9. Mai 2001, 14:42
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Sicherheitsstandards nicht erfüllt - Nun atomare Müllaufbewahrungsplatze

Potsdam/Greifswald - Ostdeutschland stieg notgedrungen schon vor mehr als einem Jahrzehnt aus der Atomenergie aus. Weil sie die bundesdeutschen Sicherheitsstandards nicht erfüllten, wurden die Kernkraftwerke Lubmin und Rheinsberg 1990 abgeschaltet und fünf Jahres später stillgelegt. Beide sollen bis 2009 völlig zurückgebaut und verschwunden sein. Mit einer Betriebsdauer von 24 Jahren ist der Atommeiler von Rheinsberg deutlich älter als sein Pendant in Vorpommern, der auf 17 Jahre kommt.

Die Rheinsberger Anlage ist das erste von der früheren Sowjetunion im Ausland gebaute AKW. Es verfügte über einen Druckwasserreaktor und ging am 9. Mai 1966 erstmals mit einer Leistung von 70 Megawatt ans Netz der DDR, in das es rund 130.000 Stunden lang Energie einspeiste. Neben der Stromerzeugung diente das AKW auch der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Kernenergie.

Nach dem Abbau des Sekundär- und Primärkreislaufs soll ab etwa 2008 mit dem Abriss der Gebäude begonnen werden. Daran ist vorwiegend das alte Personal beteiligt, dessen Erfahrung genutzt werden soll. Der Abtransport der abgebrannten Brennstäbe gilt als Voraussetzung für die weitere Demontage.

Block eins des als weltgrößtes AKW geplanten Atommeilers Lubmin nahm am 17. Dezember 1973 seine reguläre Arbeit auf. Insgesamt verfügte es später über vier 440-Megawatt-Reaktorblöcke. Zum Zeitpunkt der endgültigen Abschaltung am 18. Dezember 1990 waren in der Lubminer Anlage rund 6.000 Menschen beschäftigt, von denen Ende vergangenen Jahres noch 1.400 dort arbeiteten. Für die Zerlegung des AKW und damit ein technologisch weltweit einmaliges Pilotprojekt stellte der Bund 6,2 Milliarden Mark (3,17 Mrd. Euro/43,6 Mrd. S) bereit.

Stellplätze für 80 Castor-Behälter

Der atomare Müll aus den beiden ostdeutschen Atomkraftwerken in Lubmin und Rheinsberg wird auf dem Gelände des 1990 abgeschalteten Kernkraftwerks (AKW) Nord Lubmin bei Greifswald aufbewahrt. Das aus acht Hallen bestehende Zwischenlager bietet auf etwa 20.000 Quadratmetern Stellplätze für 80 Castor-Behälter, die jeweils 84 Brennstäbe aufnehmen können.

Das Zwischenlager war von 1994 an für rund 465 Millionen Mark nur wenige hundert Meter entfernt von den stillgelegten Reaktorblöcken errichtet und 1999 in Betrieb genommen worden. Im bundesweit größten Nassbecken warten nach Angaben der Energiewerke Nord, des Betreibers des Lagers, rund 4500 Brennstäbe auf ihre Verladung in die Behälter.

Im Kernkraftwerk Nord laufen gegenwärtig die Vorbereitungen für die Demontage der Reaktorblöcke. Die verstrahlten Teile sollen in Beton gegossen und ebenfalls im Zwischenlager deponiert werden. Bis spätestens zum Jahr 2009 soll das AKW Nord vollständig zerlegt sein. Für den Betrieb des auf maximal 40 Jahre angelegten Zwischenlagers sind langfristig 100 Mitarbeiter nötig. (APA/dpa)

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