USA: Empörung über verlorene UNO-Sitze

9. Mai 2001, 19:32
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Kritik auch an Österreich

Der Verlust der US-Sitze in der Menschenrechtskommission und der Anti-Drogen-Organisation der UNO erzürnt nicht nur die Bush-Regierung, sondern auch Mitglieder des US-Kongresses: Eine Reihe von Abgeordneten will die letzte Teilzahlung der US-Schulden an die UNO davon abhängig machen, dass die USA nächstes Jahr den Sitz in der Menschenrechtskommission wieder erhält.

In den letzten Tagen der Clinton-Regierung war ein Kompromiss mit der UNO ausgehandelt worden, bei dem sich die USA im Prinzip verpflichtete, die bis dato aufgelaufenen Schulden der USA in Höhe von einer Milliarde Dollar in mehreren Schritten zu bezahlen. Über die zweite Zahlung von 582 Millionen Dollar soll heute, Donnerstag, im Kongress abgestimmt werden. Der aus Ungarn stammende demokratische Kongressabgeordnete Tom Lantos hält den Ausschluss der USA aus der Menschenrechtskommission zwar für "ungeheuerlich", glaubt aber, dass ein Stopp des Großteils der Zahlungen das Problem nur schlimmer machten könnte. Allerdings sieht eine von ihm gemeinsam mit dem Republikaner Henry Hyde ausgearbeitete Maßnahme vor, die letzte Zahlung von 244 Millionen Dollar zurückzuhalten.

Auch Außenminister Colin Powell zeigte sich in einem Interview mit der New York Times verärgert: "Aber eines kann ich Ihnen garantieren", meinte er, "wir werden nächstes Jahr wieder zurückkommen." Die USA hätten bei Abstimmungen, die die Palästinenser, China und Kuba betrafen, einige Wunden zugefügt. Nun habe man versucht, sich an den Vereinigten Staaten zu rächen.

Auch die Washington Post ist von der allgemeinen Empörung so angesteckt, dass sie die korrekte Recherche vernachlässigt: Ausgerechnet Österreich, hieß es am Montag, "der Großmeister in der geschichtlichen Verleugnung, mit einem Außenminister von der neofaschistischen Partei von Jörg Haider" habe vergangene Woche 41 Stimmen in der Menschenrechtskommission erhalten. (DER STANDARD, Print, 10.5.2001)

STANDARD-Korrespondentin Susi Schneider aus New York
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