ÖBB-Chef Draxler heißer Favorit für AUA-Spitze

9. Mai 2001, 20:38
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FP will SP-nahen Noch-ÖBB-Chef in Österreich halten

Wien - In FP-Kreisen rund um Finanzminister Karl-Heinz Grasser zürnt man noch immer ob der eigenhändigen Bestellung des neuen ÖBB-Vorstandes durch Infrastrukturministerin Monika Forstinger. Ganz im Gegensatz zum designierten ÖBB-General Rüdiger vorm Walde genieße der scheidende ÖBB-Boss Helmut Draxler die volle Wertschätzung des Finanzministers, heißt es.

"In einer neuen Ära ist es legitim über neue Führungsstrukturen zu diskutieren"

Um zu verhindern, dass der SP-nahe Draxler eines seiner zahlreichen Jobangebote aus dem Ausland annimmt, könnte ihm bald der Chefsessel eines artverwandten heimischen Betriebes angeboten werden: Draxler, so die Überlegung, könnte als Generaldirektor der AUA installiert werden. ÖIAG-Chef und AUA-Aufsichtsratschef Johannes Ditz, schließt eine Vorstands-Veränderung zwar "derzeit" aus, sagte aber bei der AUA-Hauptversammlung: "In einer neuen Ära ist es legitim über neue Führungsstrukturen zu diskutieren."

Das amtierende rot- schwarze Vorstandsduo Herbert Bammer und Mario Rehulka bekäme mit Draxler den vonseiten der ÖIAG seit langem geforderten Vorstandschef. Denn Bammer und Rehulka sind gleichberechtigte Vorstände. Darüber hinaus wäre es für die SPÖ bei einem Wechsel Draxlers an die AUA-Spitze schwer möglich, gegen einen der "Ihren" zu wettern.

Die ÖIAG ist mit 39,7 Prozent an der AUA beteiligt. Aber bereits im Vorjahr scheiterte der Versuch, Fritz Feitl in den Vorstand der AUA zu hieven, weil zum Einen zuwenig Kapitalvertreter bei der Sitzung anwesend waren und zum Anderen der Auszug der Betriebsräte eine Abstimmung unmöglich machte. Mit Interesse verfolgen die Betriebsräte daher die Anwesenheit des am 9. März auf Vorschlag der ÖIAG neu bestellten AUA-Aufsichtsrates. Denn zwei der neun Kapitalvertreter - die in Deutschland lebende Rechtsanwältin Martine Dornier-Tiefenthaler und der in den USA lebende Investmentbanker Karlheinz Muhr - sollen bisher noch bei keiner Sitzung (außer der Konstituierenden) gewesen sein. Zudem begehren die neuen Kapitalvertreter eine höhere Aufwandsentschädigung. Sie wollen sich offenbar nicht mit ihrem bisherigen Jahressalär (144.000 S für den Vorsitzenden, 108.000 S für den Stellvertreter und 74.000 S für den Rest der Mannschaft) begnügen. Zusätzlich erhält jeder pro Sitzung 1000 S.

FP-Ärger über Schmidt

Ganz und gar nicht einverstanden sind einflussreiche FP-Granden auch mit der Bestellung von Noch-Lauda-Air-Chef Ferdinand Schmidt in den ÖBB-Vorstand. Man habe sich erkundigt, Schmidt agiere unprofessionell und chaotisch. Unprofessionell deshalb, weil er kurz nach seiner Kür Ende April - bis Ende Juli immerhin noch im Sold der Lauda Air - einer Illustrierten bereits ein Interview gab, in dem er sich DO&CO als neuen Caterer für die Bahn wünscht. Da seine Bestellung offenbar sehr kurzfristig erfolgte, sei ihm verborgen geblieben, dass der bisherige Bahn-Caterer noch einen drei Jahre gültigen Vertrag habe. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 10.5.2001)

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