Wirkstoff von den Osterinseln für Nierentransplantations- Patienten

11. Mai 2001, 23:09
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Die Substanz Sirolimus bremst Abstoßungsreaktionen

Wien - Der Wirkstoff wurde ursprünglich gar auf den südpazifischen Osterinseln entdeckt. Jetzt soll er auch in Österreich Nierentransplantations-Patienten das Leben erleichtern: Mit der Substanz Sirolimus wurde vor kurzem auch in Österreich ein neues Medikament zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen zugelassen. Der Hauptvorteil laut Univ.-Prof. Dr. Rainer Oberbauer vom Wiener AKH: Es sind keine schädigenden Wirkungen des Arzneimittels auf die Niere zu erwarten.

Sirolimus ist zunächst einmal zwei bis drei Monate nach der Transplantation in einer Kombination mit Cyclosporin und Kortison zu verwenden. Anschließend kann die Therapie mit Sirolimus und Kortison allein weitergeführt werden, während Cyclosporin schrittweise abgesetzt wird.

Cyclosporin hat ehemals erst die moderne Transplantationsmedizin möglich gemacht. Das bewährte Arzneimittel hat aber eine Reihe von möglichen Nebenwirkungen. Bei Nierentransplantationen ist natürlich der schädigende Effekt auf genau diese Organe besonders unerwünscht. Ergebnisse einer internationalen klinischen Studie, die auch am Wiener AKH unter der Leitung von Oberbauer durchgeführt wurde, konnten eindeutig beweisen, dass Sirolimus auch nach Elimination von Cyclosporin akute Abstoßungsreaktionen verhindert und das Überleben des Spenderorgans aufrecht erhält.

Einschätzung

"Der Wirkstoff Sirolimus bietet eine wichtige neue Therapiemöglichkeit für Transplantionspatienten und hat ohne die nierenschädigende Wirkung von Cyclosporin das Potenzial, das Langzeitüberleben von Transplantaten zu ermöglichen," erklärt dazu in einer Aussendung Dr. Jacek Nowak, Leiter der Medizinischen Abteilung Österreich/Osteuropa des Pharmakonzerns Wyeth. Er fügte hinzu: "Um die Folgen einer Langzeittherapie aber eindeutig bewerten zu können, müssen wir noch auf die Ergebnisse derzeit laufender Studien warten."

In Österreich werden pro Jahr rund 400 Nieren transplantiert, die Wartezeit auf eine Spenderniere beträgt derzeit zwei bis drei Jahre. Entdeckt und erstmals gewonnen wurde der Wirkstoff vor mehr als 30 Jahren aus dem Erdreich der südpazifischen Osterinsel, die in der Sprache der Einheimischen Rapa Nui genannt wird. Die Substanz wurde zunächst für die Behandlung von Pilzinfektionen entwickelt, bevor sich herausstellte, dass sie das menschliche Immunsystem unterdrückt - eine für Empfänger von transplantierten Organen wichtige Wirkung.

In der Studie am Wiener AKH trat bei Patienten, die auf die Sirolimus-Behandlung einige Zeit nach der Transplantation umgestellt worden waren, eine Besserung der Nierenfunktion auf. Außerdem sank der Blutdruck. Da die Blutdruckwerte beim Menschen auch wesentlich über die Nieren gesteuert werden, wirkt sich eine bessere Funktion der Organe auch auf den Blutdruck auf.(APA)

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