Wenn die Antibiotika-Resistenz zunimmt

13. Mai 2001, 11:45
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Frühwarnsystem soll entstehen

Leipzig - In Deutschland soll ein Frühwarnsystem zur großflächigen Erkennung Antibiotika-resistenter Bakterien installiert werden. Geplant ist eine umfangreiche, kontinuierliche Untersuchung der Krankheitserreger, berichtete Bernd Wiedemann von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn, vom 6. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin in Leipzig. Getestet werden sollen die Bakterien an 30 verschiedenen Antibiotika.

Nach Darstellung des Experten nimmt Deutschland zwar eine hervorragende Position bei der Bekämpfung von Infektionen ein. Gegen die meisten Infektionen verfüge die Medizin bereits über ausgezeichnete Waffen. Dennoch sei eine klare epidemiologische Erfassung aller Daten, deren Registrierung und Auswertung unerlässlich für die weitere Entwicklung in diesem Bereich.

Kosten der Entwicklung

Hinzu komme, dass die Industrie nicht das größte Interesse habe, immer neue Antibiotika auf den Markt zu bringen, so Wiedemann. "Immerhin kostet die Entwicklung eines neuen Medikaments rund eine Mrd. Mark. Da Antibiotika aber nur über kurze Zeiträume verabreicht werden, seien die Verdienstspannen für die Industrie nicht besonders hoch." Deshalb müssten anhand klarer epidemiologischer Daten rechtzeitig Strategien gegen Bakterienstämme entwickelt werden, die mit herkömmlichen Antibiotika nicht mehr behandelt werden können.

An dem Projekt sind jetzt die Universitätskliniken von Ulm und Jena beteiligt. Bis zum Sommer werden sich auch die Universitätskliniken Frankfurt und Hannover anschließen. Insgesamt sollen bundesweit acht Zentren einbezogen werden. Die Finanzierung ist zunächst bis zum Jahresende gesichert, sagte Wiedemann. Die Kosten des technisch anspruchsvollen Projekts wollte er nicht nennen. Er hoffe, dass sich bei entsprechenden Ergebnissen auch die öffentliche Hand an der Finanzierung beteiligen wird. (pte)

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