Psoriasis, die juckende Qual

12. Mai 2001, 17:22
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Rund 250.000 ÖsterreicherInnen leiden vor allem unter den sozialen Folgen der Krankheit

Wien- Ein von den Betroffenen zumeist verstecktes Leiden: die Psoriasis. Rund 250.000 Österreicher leiden an der "Schuppenflechte", die auf einer Fehlregulation des Immunsystems beruht. Am ärgsten sind die sozialen Konsequenzen. Das erklärten Betroffene und Spezialistenbei einer Pressekonferenz zum Thema "Leben mit Psoriasis" in Wien.

Autoimmunreaktion

"Psoriasis ist eine Krankheit des Immunsystems, die sich in der Haut und eventuell in den Gelenken manifestiert. Es handelt sich um eine Autoimmunreaktion auf sich selbst. CD4-positive und zytotoxische T-Zellen lagern sich in Haut und/oder Gelenke ein und lösen dort eine Entzündung aus", erklärte Univ.-Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Vorstand der Hautabteilung an der Wiener Rudolfstiftung.

Die Folge ist eine plötzlich enorm gesteigerte Zellteilung in der Haut. Der Zyklus, der zum Ersatz der Hautzellen führt, verkürzt sich von vier auf eine Woche. Die Haut verdickt sich auf das Zehnfache. An der Oberfläche tritt massive Schuppenbildung auf.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlungsmöglichkeiten sind in den vergangenen Jahren ständig verbessert worden. Äußerlich ist weiterhin Cortison der Goldstandard. Weiters gibt es Cignolin, Vitamin-D- und Vitamin A-Präparate. Die Lichttherapie (Bestrahlung), Vitamin A-Derivate sowie Zytostatika wie Methotrexat und das Transplantationsmedikament Cyclosporin A besitzen als Medikamente zum Einnehmen oft eine gute Wirkung.

Rappersberger: "Mit so genannten Makroliden wurde eine neue Substanzgruppe entwickelt. Sie haben als Salbe und in Tablettenform eine hervorragende Wirkung." Zu diesen Substanzen gehört das am Novartis-Forschungsinstitut in Wien entwickelte ASM 981, das als Salbe bereits kommendes Jahr auf den Markt kommen soll.

Die sozialen Folgen

Doch am ärgsten sind für die Betroffenen die Konsequenzen dieser chronischen und eigentlich nicht heilbaren Erkrankung: Nachteile im Beruf, schwerste Hautveränderungen, die andere Menschen in Beruf und Privatleben "abstoßen" können. Dabei ist die Krankheit nicht übertragbar, sie stellt für niemanden eine Gefahr dar.

Weil aber die Betroffenen ihr Leiden zumeist schamhaft verstecken und somit nicht "öffentlich" werden, fehlt es oft an Verständnis. Christa Mayer, Obfrau der österreichischen Selbsthilfegruppe PSO Austria: "Auch die Einstufung der Krankheit als chronische Hauterkrankung und die damit verbundene Befreiung von Rezeptgebühren sind noch immer nicht erreicht." Für Kuren und Zuschüsse sollte es ebenfalls eine österreichweite Regelung geben.

So sind es die Detailprobleme, die den Betroffenen vor allem das Leben schwer machen. Dazu zählt auch der täglich notwendige Pflegeaufwand für die Haut. Die Selbsthilfegruppe rechnet mit einem wöchentlichen Aufwand an 380 Schilling für Pflegemittel etc. Boots Healthcare Austria hat über seine Dermatologie-Linie Hermal eine komplette Pflegeserie (Aqeo) für Psoriatiker auf den Markt gebracht. (APA)

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