Israels Armee rückt in den Gazastreifen vor

10. Mai 2001, 16:51
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Baby und Frau verletzt - Flüchtlingslager angegriffen - Polizeiposten zerstört

Gaza - Zum dritten Mal binnen weniger Stunden ist die israelische Armee in der Nacht zum Donnerstag auf autonomes Palästinensergebiet im Gazastreifen vorgedrungen. Mit Panzern fuhren Soldaten in das Flüchtlingslager Rafah im Süden des Gazastreifens und lieferten sich dort einen Schusswechsel mit der palästinensischen Polizei, wie diese mitteilte.

Die Armee sei mit Planierraupen und gepanzerten Fahrzeugen auf das palästinensisch verwaltete Gebiet vorgedrungen und habe im Lager Yebna an der ägyptischen Grenze mindestens drei Häuser und zwei Polizeiposten zerstört, sagte der Chef für die öffentliche Sicherheit in Gaza, Generalmajor Abdel-Rasek el Majaydeh. Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, es habe sich um eine technische Operation gehandelt mit dem Ziel, das unter israelischer Kontrolle stehende Gebiet an der Grenze zu räumen.

"Nicht hinnehmbar"

Palästinenserpräsident Yasser Arafat hatte das Vordringen auf vollautonomes Gebiet als "nicht hinnehmbar" verurteilt. Dieses Vorgehen sei "eine gefährliche Aktion und schwere Eskalation, die wir nicht akzeptieren können", sagte er. Die Israelische Seite ließ verlauten, Israel übe die Kontrolle gemäß einer Vereinbarung mit den Palästinensern aus. Das Gebiet habe sich zu einem Brennpunkt des seit sieben Monaten anhaltenden Palästinenser-Aufstandes entwickelt. Zuletzt seien am Mittwoch von dem Gebiet aus mehrere Mörserpatronen abgeschossen worden.

Am Mittwoch war die israelische Armee nach palästinensischen Angaben zwei Mal in die Ortschaft Beit Hanoun im nördlichen Gazastreifen eingerückt. Dort walzten Panzerfahrzeuge eine Polizeiwache nieder. Bei dem Angriff wurden eine 22-jährige Palästinenserin und ihr drei Monate altes Baby verletzt. Grund für das Eindringen seien Schüsse auf den Kibbutz Kfar Asa auf israelischem Gebiet gewesen, teilte die israelische Armee mit. Im Verlaufe der Friedensverhandlungen hat es seit 1993 Teile der 1967 besetzten Gebiete in palästinensische Verwaltung entlassen. Die Verhandlungen sind unterbrochen. (APA)

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