Mazedonische Truppen verstärken Offensive gegen Rebellen

9. Mai 2001, 13:03
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Dorfbewohner zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert

Skopje - Mazedonische Regierungstruppen haben am Mittwoch im Norden des Landes albanische Dorfbewohner zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert und damit Befürchtungen über eine weitere Eskalation der Kämpfe gegen UCK-rebellen ausgelöst. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Georgi Trendafilov, sagte, Regierungstruppen hätten am Morgen in Slupcane Mörserfeuer verschanzter albanischer Rebellen nicht erwidert, um die Zivilbevölkerung nicht zu gefährden. In der Nacht sei eine Maschinengewehrstellung der Rebellen ausgeschaltet worden.

Seit Montag sind nach Angaben des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) 6.600 Zivilisten - meist Frauen, Kinder und alte Männer - aus den umkämpften Dörfern nahe von Skopje in das benachbarte Kosovo geflohen. Viele hätten berichtet, dass ihre Häuser von der mazedonischen Armee zerstört worden seien. Am Dienstag war das Dorf Vaksince unter schweren Beschuss genommen worden.

Am Dienstagabend griffen Regierungstruppen vermutete Stellungen der albanischen Separatisten in der Gegend von Tetovo an, der zweitgrößten Stadt des Landes. Die albanischen Kämpfer forderten in einer Erklärung erneut die Beteiligung an Gesprächen zur Lösung des Konflikts. Die Bemühungen um Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit erlitten am Mittwoch einen Rückschlag, nachdem die albanische Partei der Demokratischen Prosperität den Eintritt in die Regierung ausschloss, solange die militärische Offensive andauere.

In der Erklärung der UCK-Rebellen hieß es, ohne ihre Beteiligung an den Gesprächen zur Lösung des Konflikts werde es zu weiterem Blutvergießen kommen. Ein Rebellenführer namens "Kommandant Sokoli" ("Falke") sagte der Nachrichtenagentur "Kosovalive": "Diejenigen, die diese Krise ausgelöst haben, sollten sich auch zusammensetzen und verhandeln."

Die albanische Volksgruppe fordert mehr Rechte in Mazedonien, der einzigen ehemals jugoslawischen Teilrepublik, deren Unabhängigkeit 1991 nicht zum Krieg führte. Vieles deutet darauf hin, dass die UCK mehr Unterstützung in der Bevölkerung hat, als die Führung in Skopje zugeben will. Auch die legalen albanischen Parteien treten für eine Föderalisierung des Landes nach einem "binationalen" Modell mit zwei "konstitutiven Nationen" wie in Belgien ein. Dies wird von der slawischen Bevölkerungsmehrheit als Vorstufe zur Abspaltung verstanden und strikt abgelehnt. Die jüngste Eskalation hat bei vielen Bürgern die Hoffnungen auf ein friedliches Zusammenleben erlöschen lassen. (APA/AP)

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