"Selbstmord durch Erhängen" - Vor 25 Jahren starb Ulrike Meinhof

9. Mai 2001, 11:50
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Tod der RAF-Terroristin löste damals heftige Proteste aus

Stuttgart - Stuttgart-Stammheim, 9. Mai 1976: Am frühen Morgen finden Beamte der Justizvollzugsanstalt die Leiche der deutschen Terroristin Ulrike Meinhof in ihrer Zelle. "Selbstmord durch Erhängen", lautet die Schlagzeile vom Tod einer Frau, die sich von einer engagierten und anerkannten Journalistin zur damaligen Staatsfeindin Nummer eins wandelte. Meinhof gehörte neben Andreas Baader und Gudrun Ensslin zu den führenden Köpfen der "Rote Armee Fraktion" (RAF).

Damals wurde der Hochsicherheitstrakt des Stuttgarter Gefängnisses zum Symbol einer Justiz im Ausnahme-Zustand. Meinhofs Tod löste neben Mordvorwürfen gegen die staatlichen Behörden eine Welle von Gewalttätigkeiten im In- und Ausland aus. Bei der Beisetzung der toten Terroristin am 15. Mai kam es zu großen Demonstrationen und zum Teil gewalttätigen Ausschreitungen.

Nach übereinstimmenden Untersuchungen mehrerer MedizinerInnen erhängte sich die damals 41-Jährige mit einem Strick aus Handtüchern am Gitterfenster der Zelle. Später gab es immer wieder Zweifel an dem Selbstmord. Allerdings konnte die Theorie nie bestätigt werden, eine dritte Person stehe im Zusammenhang mit ihrem Tod.

Sozialisation

Ulrike Meinhof wurde am 7. Oktober 1934 geboren. Schon als Kind verlor sie ihre Eltern, beide Kunsthistoriker. Die 14 Jahre ältere Historikerin Renate Riemeck und Freundin ihrer Eltern wurde Ulrikes zweite Mutter. Im Hause der Professorin Riemeck, die später die Deutsche Friedens-Union (DFU) gründete, wurde Ulrike schon in jungen Jahren mit sozialistischen und pazifistischen Ideen vertraut.

Von der Journalistin zur Terroristin

Meinhof studierte Philosophie, Pädagogik, Soziologie und Germanistik. Der Wandlungsprozess von der Bürgerlichen zur Untergrundkämpferin begann gegen Ende der 50er Jahre, als sie "ihren Proust und Kafka" einmal beiseite legt und die politische Arena betritt", wie ihre Wahlmutter es einmal beschrieb. Nach und nach nahm Meinhof von ihrem bisherigen Leben Abstand: Von 1960 bis 1964 schrieb sie als Chefredakteurin der linksorientierten Zeitschrift "konkret" leidenschaftliche Artikel gegen die Atombewaffnung und das US-Engagement im Vietnam- Krieg. In ihren Artikeln kämpfte sie außerdem für eine neue Ostpolitik und gegen die Notstandsgesetze der Bundesrepublik. 1961 heiratete sie den "konkret"-Herausgeber Klaus Rainer Roehl. Nach sieben Jahre war die Ehe gescheitert und Meinhof zog mit ihren Töchtern Bettina und Regine nach Berlin.

Dort war ihr Bruch mit der bürgerlichen Welt endgültig: Sie schloss sich anarchistischen Kreisen an und verschwand im Untergrund: mit der von ihr 1970 gegründeten und nach ihr und Andreas Baader benannten "Baader-Meinhof-Gruppe" und späteren RAF. Mit ihren revolutionistischen Texten und Pamphleten wurde sie bald zur "Stimme der RAF". Auf das Konto der Gruppe gingen Sprengstoff-Anschläge, Banküberfälle und Schießereien, bei denen mehrere Menschen getötet werden. Ulrike Meinhof wurde zur meistgesuchten Frau Deutschlands. Im Juni 1972 wurde sie festgenommen und 1974 zu acht Jahren Haft verurteilt, weil sie Baader 1970 gewaltsam aus dem Gefängnis befreit hatte. (APA/red)

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