Protest gegen Stellenabbau bei Grundig

9. Mai 2001, 14:50
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Vor Wechsel an der Vorstandsspitze - Neuausrichtung in Diskussion

Nürnberg - Der Grundig-Aufsichtsrat hat am Mittwoch begleitet von Belegschaftsprotesten über die Neuausrichtung des angeschlagenen Grundig-Konzerns diskutiert. Auf der Tagesordnung stand dem Vernehmen nach auch die Bestellung eines neuen Vorstandsvorsitzenden. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen soll der Telekommunikationsspezialist Hans-Peter Kohlhammer die Nachfolge von Herbert Bruch antreten.

Der IG Metall Nürnberg zufolge soll Bruch dafür in den Aufsichtsrat wechseln. Kohlhammer ist Chef der Firma Hanse Venture Services GmbH (Frankfurt). Der promovierte Physiker und Mathematiker berät Telekommunikationsfirmen und übernimmt vorübergehend auch deren Management. Unter der Grundig-Belegschaft gilt Kohlhammer als Befürworter des Restrukturierungskonzeptes, das den Abbau von rund 900 Arbeitsplätzen vorsieht. Nach seinem Ausscheiden beim Grundig-Konkurrenten Loewe Opta in Kronach baute er unter anderem die Thyssen Telecom auf.

Demonstration

Vor Beginn der Aufsichtsratssitzung demonstrierten rund 500 Beschäftigte gegen den geplanten Stellenabbau im Grundig-Konzern. Mit Trillerpfeifen und Transparenten zogen sie vom Werk in Nürnberg-Langwasser zum Messegelände. "Herr Bundeskanzler, 900 Grundig-Beschäftigte wollen arbeiten und sind nicht faul", hieß es auf einem Transparent.

Vergangene Woche hatte das Bankenkonsortium der Grundig AG ihre Kreditlinien verlängert. Zur Voraussetzung machten sie die Umsetzung des Restrukturierungskonzepts der Unternehmensberatung Roland Berger. Allein 600 Stellen sollen demnach in Nürnberg gestrichen und die Fernsehgeräte-Produktion nach Wien verlagert werden. Die Grundig-Belegschaft hat ein eigenes Sanierungskonzept vorgelegt. Dies sieht den Erhalt und Ausbau des Standortes Nürnberg vor. (APA/dpa)

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