Großbritannien will private Vorsorge noch stärker ausbauen

9. Mai 2001, 11:19
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Derzeit bereits 40 Prozent der Pensionen nicht-staatlich

Edingburgh - In Großbritannien ist das Pensionssystem stärker privatisiert als in den meisten anderen europäischen Ländern, dennoch will die Londoner Regierung die private Vorsorge noch weiter ausbauen. Nur mehr rund 60 Prozent der Pensionen kommen in Großbritannien aus dem staatlichen System, bereits 40 Prozent aus der betrieblichen oder privaten Vorsorge. Bis zum Jahr 2050 soll sich dieses Verhältnis umgekehrt haben. Mit der sogenannten Stakeholder-Pension ist seit Anfang April dieses Jahres ein neues Modell zur Stärkung der privaten Vorsorge in Kraft.

In Österreich sind derzeit erst rund 9 Prozent aller Beschäftigten in der zweiten Säule, der betrieblichen Pensionen, integriert. Im EU-Durchschnitt sind es immerhin 25 Prozent, wobei etwa in Dänemark oder den Niederlanden rund 80 Prozent aller Arbeitnehmer irgendeine Form der Betriebsrente erhalten oder erhalten werden. In der gesamten EU soll die zweite Säule ausgebaut werden, da Pensionsfonds nicht zuletzt als große institutionelle Investoren auf den Finanzmärkten eine große Rolle spielen. Derzeit liegt das Gesamtvermögen bei rund 2,3 Mrd. Euro (31,6 Mrd. S), im Zuge der Pensionsreformen in manchen Ländern dürfte es bis 2005 auf rund 3,5 Mrd. Euro steigen.

Stakeholder-Pension

Mit dem neuen Modell der Stakeholder-Pension, einer Vorsorge die über Betriebe läuft aber individuell abgeschlossen wird, sollen rund 5 Millionen Briten dazu bewogen werden, auch privat vorzusorgen. Einer von drei unselbstständig Beschäftigten spart derzeit noch nicht fürs Alter. Zielgruppe sind Personen mit einem Einkommen zwischen 9.000 und 20.000 Pfund (bis zu 32.336 Euro/444.953 S) pro Jahr, die derzeit noch kaum für ihre Rente sparen.

Angeboten werden müssen die Pensionen von jedem Betrieb, der mehr als fünf Mitarbeiter beschäftigt. Die Verträge werden von den Arbeitnehmern aber individuell abgeschlossen. Abgeführt wird der Beitrag vom Arbeitgeber. Sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern diese Pensionen nicht anbieten bzw. sollte es zu Problemen mit der Beitragsabführung kommen, so drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Pfund (80.841 Euro/1,112 Mill. S). In der Auszahlungsphase können zwischen 50 und 75 bis zu 25 Prozent aus dem Fonds entnommen werden, der Rest muss in eine Annuität umgewandelt werden.

Die Beiträge sind steuerfrei, für die Fonds gibt es ebenfalls Steuererleichterungen. Über die Veranlagung kann der Arbeitnehmer selbst entscheiden, seien es Kapitalbeteiligungen, Spezialfonds oder gemanagte Fonds. Die Mindesteinzahlung liegt bei 20 Pfund Einmalerlag, beim laufenden Einkommen können bis zu 17,5 Prozent in die Beiträger fließen. Erstmals möglich ist auch, dass für Personen, die über kein Erwerbseinkommen verfügen, Pensionsverträge abgeschlossen werden können. So können etwa Eltern für ihre Kinder einen Pensionsvertrag abschließen. Die Höchstgrenze liegt hier bei 3.600 Pfund pro Jahr.

Grundversorgung

Das umlagefinanzierte staatliche britische Pensionssystem bietet nur eine Grundversorgung und erfüllt seine Funktion Armut im Alter zu verhindern nur unzureichend. So liegt die Grundpension für Alleinstehende bei 72 Pfund pro Woche. Die zweite Möglichkeit zu einer staatlichen Pension zu kommen ist über das einkommensabhängige System SERPS (State Earnings Related Pensions), das ebenfalls umlagefinanziert ist. Bei einem Jahresverdienst von durchschnittlich 9.500 Pfund (15.360 Euro/211.358 S) erhält man hier beispielsweise nach 25 Jahren Erwerbstätigkeit 22 Pfund (35,6 Euro/490 S) Rente pro Woche. Die Regierung Blair will hier aber vor allem für die unteren Einkommen eine Verdoppelung der Pensionen einfuhren. (APA)

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