Ring-Zyklotron stellt Radionuklide her

9. Mai 2001, 11:17
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LKH Klagenfurt hat nun das erste außeruniversitäre PET-Zentrum Europas

Klagenfurt - Das Landeskrankenhaus Klagenfurt verfügt ab sofort über ein Ring-Zyklotron zur Herstellung von radioaktiven Arzneimitteln. Errichtet wurde die Anlage von der ARGOS-Betriebsgesellschaft in Kooperation mit dem LKH. Es handelt sich dabei um das erste außeruniversitäre PET-Zentrum Europas, wo Radionuklide für die Krebstherapie hergestellt werden.

Bei einer Pressekonferenz in Klagenfurt am Mittwoch erklärte der Vorstand der Abteilung für Nuklearmedizin und Endokrinologie am LKH, Primarius Peter Lind, dieses Projekt stelle einen Quantensprung für die Medizin in Österreich dar: "Wir können nun die Substanzen selbst produzieren und damit doppelt so viele Patienten versorgen wie bisher." Bis dato wurden die Radionuklide mittels Privatflugzeug aus der Schweiz eingeflogen, das eigene Ring-Zyklotron sorgt, so Lind, für eine deutliche Reduktion der Kosten.

Das Zyklotron wurde mit einem Kostenaufwand von 50 Millionen Schilling am Gelände des LKH errichtet. Die dort produzierten Radionuklide werden den Patienten intravenös verabreicht. Sie verteilen sich im Organismus gemäß dem Stoffwechsel in bestimmten Organen. Die Bilder werden mittels PET-Technologie (Positronen-Emissions-Tomographie) erstellt. Sie gelten als Revolution in der Tumordiagnostik, aber auch in der Diagnostik von Herz und Gehirn.

Christoph Artner, ARGOS-Geschäftsführer, sieht Investitionen in moderne Nuklearmedizin als Chance für sein Unternehmen, das sich auf diese Weise als Nischenanbieter mit Produkten von hohem ethischen Wert in der Medizintechnik behaupten kann. Die zukunftsweisende Kooperation mit dem LKH in Klagenfurt habe europaweit Aufsehen erregt, aus Deutschland und der Schweiz hätten sich bereits Interessenten gemeldet.

Für Lind bietet das neue Zyklotron auch die Chance, andere Medikamente herzustellen. Ab dem kommenden Herbst werde man damit beginnen, auch Arzneien zur Bekämpfung der Parkinson'schen Krankheit und des Prostata-Karzinoms zu erzeugen. "Ganz wichtig ist für uns auch die Versorgungssicherheit, die jetzt gegeben ist." Kärnten habe mit diesem Projekt einen medizinischen Vorsprung in der Patientenversorgung von fünf Jahren, erklärte der medizinische Direktor des LKH, Anton Suntinger.(APA)

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