Erneute Herausforderung "Mensch gegen Maschine"

9. Mai 2001, 10:42
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Schachweltmeister Kramnik spielt gegen Deep Fritz

Brain Games Plc, die in London ansässige Veranstaltungsfirma, gab bekannt, dass Schachweltmeister Vladimir Kramnik gegen das Computerprogramm Deep Fritz zu einem Wettkampf über acht Partien antreten wird. Das Match, das vom Emir von Bahrain gesponsert wird, findet im Oktober im Golfstaat statt. Das Preisgeld beträgt $1 Mio., wobei Kramnik bei einem Remis $800,000 erhält, im Falle einer Niederlage immerhin $600,000. Gesamtkosten der Veranstaltung: $2 Mio.

IBM verzichtete auf das Duell

Der bisherige Schachweltmeister Garry Kasparov, der 15 Jahre lang den Titel hielt, wurde bei der Brain Games Schachweltmeisterschaft in London letzten November von Kramnik geschlagen. Kasparov verlor 1997 gegen den IBM-Spezialrechner Deep Blue. IBM wurde in diesem Jahr eingeladen, gegen Deep Fritz anzutreten, lehnte jedoch ab.

Deep Fritz schlug seinen PC-Gegner

Deep Fritz hat sich für die Herausforderung von Kramnik in einem Turnier qualifiziert, das vom führenden Computerschach-Experten Prof. Enrique Irazoqui aus Cadaqués, Spanien, durchgeführt wurde. Fritz schlug seinen Hauptrivalen Deep Junior in einem Wettkampf über 24 Partien, wobei beide Programme auf identischen Dual-Computern mit jeweils zwei 933 MHz schnellen Prozessoren liefen. Deep Junior wurde von Amir Ban und Shay Bushinsky aus Israel programmiert. Die Autoren von Deep Fritz sind Frans Morsch (Holland) und Mathias Feist (Deutschland).

Fritz ist verglüht

Für Kramnik ist Fritz eine große Herausforderung. Das Programm hat schon Deep Blue, Kasparov und den FIDE Weltmeister Anand geschlagen. Kramnik ist bislang verschont geblieben. "Fritz ist eine bemerkenswerte Software," sagte der Brain Games Wettkampfleiter Raymond Keene, OBE. "Das Programm wurde zur Mir-Raumstation geschickt und hat dort in der Umlaufbahn gegen die Kosmonauten gespielt. Fritz ist im März bei dem Mir-Absturz mit der Raumstation verglüht".

Erstes Duell Mensch - Maschine seit 1997

Das Match in Bahrain ist der erste große Vergleich Mensch gegen Maschine seit der spektakulären Niederlage von Kasparov gegen Deep Blue im Jahre 1997. Das war eines der größten Internet-Events aller Zeiten, wobei der Veranstalter IBM zeitweilig über 22 Millionen Hits pro Stunde verzeichnete. "Wir sind sicher, dass in diesem Jahr ein noch größeres Publikum im Internet zuschauen wir," sagt Raymond Keene.

100 Millionen Zugriffe währned der WM 2000

Die letzte Brain-Games-Veranstaltung war ähnlich erfolgreich. "Bei der Schachweltmeisterschaft 2000 in London zählten wir über 100 Millionen Zugriffe auf unsere Webseite," sagt Brain Games Vorsitzender Sir Jeremy Hanley. Die nächste Weltmeisterschaft findet im Oktober 2002 statt, die Vorbereitungen beginnen im Sommer dieses Jahres.(red)

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