Kampf um private Stromkunden

9. Mai 2001, 16:18
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Verbund steigt gegen den Privatanbieter "Switch" in den Ring

Wien - Im Kampf um die privaten Stromkunden steigt jetzt auch der Verbund-Konzern in den Ring. Konkurrent ist der Privatanbieter "Switch", hinter dem eine Gruppe von Landesversorger rund um die EVN und die Wiener Stadtwerke stehen. Bisher war der Verbund lediglich Lieferant für Länder, Gemeinden und Großindustrie, und hatte nur wenig Zugang zum Massengeschäft.

Mit dem Raiffeisen-Sektor als Vertriebspartner möchte der Verbund 15 Prozent der Kleinkunden gewinnen - Haushalte, Gewerbe- und kleine Industriebetriebe. "Das ist das Kundensegment, das wir direkt attackieren wollen", sagte Verbund-Vorstandssprecher Hans Haider am Dienstagabend anlässlich der Präsentation der neuen Strommarke "Raiffeisen Wasserkraft" mit dem Generaldirektor der Raiffeisen Ware Austria (RWA), Karl Nigl. Ziel seien zunächst 50.000 Stromkunden innerhalb von drei Jahren.

47 Groschen je Kilowattstunde

Haushalte soll der "grüne Strom powered by Verbund" bundesweit einheitlich 47 Groschen je Kilowattstunde kosten, noch ohne Steuern, Energieabgabe und regional unterschiedlich hohe Netztarife. Damit sieht man sich günstiger oder zumindest gleich auf mit allen anderen Stromanbietern. Bei einem Durchschnittshaushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch verbillige sich die jährliche Stromrechnung in Wien und Niederösterreich um jeweils 500 Schilling, in Tirol zum Beispiel sogar um 800 S, erklärte Verbund-Vertriebsvorstand Johann Sereinig. "Switch" verlangt je Kilowattstunde 48 Groschen plus Netzgebühr und Abgaben.

Je ein Drittel der Stromabbnehmer der "Raiffeisen Wasserkraft" sollen Haushalts-, Gewerbe- und Agrarkunden sein. Die von Verbund und RWA zu je 50 Prozent getragene "Raiffeisen Wasserkraft GmbH" soll in zwei, spätestens drei Jahren positiv bilanzieren. Vertriebsprobleme durch die starke ländliche Dominanz von RWA sieht man nicht: Neben der RWA-Organisation, vornehmlich den Raiffeisen-Lagerhäusern, soll der Strom auch in den Raiffeisen-Banken angeboten werden. Dazu laufen bereits Gespräche mit dem Geldsektor des "grünen Riesen", so Nigl.

"logische Erweiterung" der RWA-Produktpalette

Der RWA-Chef sieht die Strom-Kooperation mit dem Verbund als "logische Erweiterung" der Produktpalette im Raiffeisen-Ware-Sektor. Schon heute bestreitet RWA ein Viertel des Konzernumsatzes von im Vorjahr 21 Mrd. S (1,53 Mrd. Euro) mit fossiler und biogener Energie, primär Treibstoffen, aber auch "verdichteter Biomasse" (Pellets und Brickets), wo man laut Nigl führender Anbieter in Österreich ist.

Der Verbund hält von 3,7 Millionen Kunden zählenden Gesamtmarkt in Österreich mit knapp 22 Mrd. kWh Verbrauch rund 400.000 Stromkunden für potenziell wechselwillig, rechne man die 11 Prozent Kundenwechsel binnen fünf Jahren am Strommarkt Norwegens auf heimische Verhältnisse um, so Sereinig. Ein Wechsel sei mit zweimonatiger Kündigungsfrist möglich. Kunden müßten also bis Ende Juli ihrem jetzigen Versorger kündigen, um von Anfang an im völlig liberalisierten Strommarkt bei einem neuen Stromlieferanten unter Vertrag stehen zu können. Bei der Marktbearbeitung im Segment der kleinen bis mittelgroßen Endkunden hat man sich standardisierte Lastprofile (Normlastprofile) bis zu 100.000 kWh Jahresverbrauch als Höchstgrenze gesetzt. (red/APA)

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