Quelle des Selbstbewusstseins gefunden

9. Mai 2001, 09:10
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Während Forschungen zu einer seltenen Hirnkrankheit

Washington - US-Forscher haben im Gehirn des Menschen nach eigenen Angaben die Stelle gefunden, von der aus das Gefühl für das eigene Selbst geregelt werde. Während Forschungen zu einer seltenen Hirnkrankheit habe man in der vorderen rechten Hälfte einen Bereich festgestellt, der offenbar das Selbstverständnis der eigenen Person, Überzeugungen, Vorlieben und Abneigungen steuere, sagte der Neurologe Bruce Miller von der Universität von Kalifornien in San Francisco.

Sein Team habe die Stelle bei der Untersuchung von 72 Patienten entdeckt, die an der Pick-Krankheit litten, einer seltenen Erkrankung, die der Alzheimerschen Krankheit ähnelt. Bei sieben der Patienten habe sich dadurch die Persönlichkeit stark verändert, sagte Miller. Bei sechs von ihnen seien an derselben Stelle im rechten Vorderhirn massive Veränderungen aufgefallen.

"Mysteriöse Gegend im Gehirn"

Unter den 65 Patienten, bei denen keine Persönlichkeitsveränderung festzustellen sei, habe man nur bei einem Schäden in der rechten Hirnhälfte entdeckt. Die Ergebnisse zeigten, dass ein normal funktionierender rechter Gehirnlappen nötig sei, um das Selbstverständnis zu erhalten. "Das ist eine mysteriöse Gegend im Gehirn", sagte Miller, der die Ergebnisse der Studie bei einer Neurologen-Tagung in Philadelphia vorstellte.

Bei den sieben von der Persönlichkeitsveränderung betroffenen Patienten stellten die Ärzte einen grundlegenden Wechsel ihrer religiösen und politischen Überzeugungen fest. Auch ihre Vorlieben in der Ernährung und für bestimmte Kleider änderten sich weitgehend.

54-jährige Frau wechselte Modestil

Eine 54-jährige Frau, die zuvor teure Designer-Mode trug, wechselte plötzlich zu billigen Kleidern und knallig-buntem Modeschmuck. Eine 63-Jährige, die ihr Leben lang konservative politische Auffassungen vertrat, entwickelte sich zu einer Kämpferin für die Rechte der Tiere und postulierte, Konservative sollten von der Erde verbannt werden.

Die Pick-Krankheit tritt unter 100.000 Menschen einmal auf und wird häufiger bei Frauen als bei Männern festgestellt. Sie bricht in der Regel im Alter zwischen 40 und 60 Jahren aus. Veränderungen in der Persönlichkeit gehören zu den ersten Anzeichen der Erkrankung. (APA/Reuters)

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