Amnesty gibt indischen Behörden Mitschuld an Gewalt gegen Frauen

8. Mai 2001, 22:03
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Behörden machen sich häufig zu Mittätern

Neu Delhi - Indische Behörden tragen nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) in vielen Fällen Mitschuld für Gewalt gegen Frauen. Anstatt Brutalitäten gegen Frauen zu verhindern, machten sich die Behörden häufig zu Mittätern oder verschlössen die Augen, heißt es in einem am Dienstag in Neu Delhi veröffentlichten Bericht. Die meisten Opfer von Vergewaltigungen, Folter und Schlägen seien arme Frauen, die der Kaste der "Unberührbaren" angehörten und auf dem Land lebten. Diese Frauen würden aufgrund ihrer Kaste und ihres Geschlechts doppelt diskriminiert. Besonders betroffen seien Inderinnen in den Bundesstaaten Uttar Pradesh und Rajasthan im Norden des Landes.

In dem amnesty-Bericht wird das Beispiel einer 18-jährigen Inderin aus Rajasthan angeführt, die von einem Mann aus der übergeordneten Kaste der Rajput vergewaltigt wurde. Als die junge Frau mit ihrem Onkel Beschwerde bei der Polizeiwache einreichen wollte, wurde sie von 50 Angehörigen der Rajput-Kaste zunächst daran gehindert. Polizeibeamte wollten die Klage nur gegen Zahlung von Schmiergeldern weiterleiten.

Als der Fall schließlich vor ein örtliches Gericht kam, versuchte der Staatsanwalt, die Frau und ihre Angehörigen zu überzeugen, ihre Klage zurückzunehmen. Eine medizinische Untersuchung erfolgte erst vier Wochen nach dem Vorfall. Amnesty International betonte, nach wie vor klaffe ein gewaltiger Graben zwischen den Versprechungen der indischen Regierung für mehr Schutz der Frauen und der Realität. Die Organisation hoffe, dass die Regierung ihre Politik ernsthaft umsetzen werde. (APA/AP)

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