Fahrstuhl zu den Sternen

8. Mai 2001, 21:09
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Die NASA träumt davon, im "Space Elevator" 47.000 Kilometer hoch gen Himmel zu fahren

Washington - "Die Idee, einen Turm in den Himmel zu bauen, findet sich in den frühesten Schriften der Menschheit, etwa im Buch Genesis mit dem Turmbau zu Babel oder Jakobs Himmelsleiter", scheut die Nasa bei einem ihrer exotischsten Projekte keinen Vergleich: Ihr Turm - der "Space Elevator" - soll einmal 47.000 Kilometer gen Himmel ragen.

Das wäre kein echter Turm, sondern ein Seil, an dem magnetbetriebene Kabinen auf und ab surren, trotz Höchstgeschwindigkeit von über tausend Kilometern pro Stunde eine Tagesreise. Sie soll nach 36.000 Kilometern enden, das ist die Höhe des geostationären Orbits, in der ein Satellit oder eben die Liftendstation immer über derselben Stelle der Erde bleibt. Der Rest des Kabels soll als Gegengewicht in das All ragen und an einem Asteroiden verankert werden.

Außer dem Plan und viel Zuversicht - "keine Probleme, die sich grundsätzlich nicht lösen lassen" - gibt es allerdings noch wenig von dem Projekt, das gegen Ende des Jahrhunderts realisiert werden soll. Vor allem das Material für das Seil fehlt. Würde man es aus Stahl bauen, müsste es sich zum Tragen der eigenen Last in 36.000 Kilometern Höhe auf Milliarden Quadratkilometer verdicken. Auch stärkste heute verfügbare Materialien bräuchten oben zwei Kilometer Durchmesser, wenn sie unten mit nur einem Millimeter beginnen.

Die Nasa hofft auf völlig neues Material - Kohlefasern ("carbon nanotubes") mit der hundertfachen Zugkraft von Stahl -, das mit 0,15 Millimetern beginnt und mit 0,26 Millimetern ankommt, Gesamtgewicht für einen Strang: 9,2 Tonnen. Proben dieses Materials gibt es sogar schon, allerdings nicht in der erforderlichen Länge, sondern in Größenordnungen von wenigen Mikron, Tausendstelmillimetern. Weiter ist man beim Antrieb, magnetbetriebene Bahnen gibt es schon. Und die 15 Kilometer hohe Bodenstation wäre laut Nasa mit heutigen Materialien machbar.

Das alles soll ein konkurrenzlos billiges Himmelfahrtsystem werden, birgt aber ein Risiko: Sollte bei einem Unfall der ganze Lift herabstürzen, wäre mit "massiven Schäden und Verlusten an Menschenleben" zu rechnen. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe 9. 5. 2001)

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