"Reinheitsgebot" auch für ORF-Spartenkanäle

9. Mai 2001, 14:38
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Zwei zentrale Punkte fehlen ...

... wenn der Zeitungsverband VÖZ am Mittwoch seine Stellungnahme zum ORF-Gesetzentwurf und zum Privatfernsehgesetz vorlegt. Zur geplanten Beschränkung von Printmedienwerbung im ORF-TV und zur Werbevermarktung anderer Medien (wie Ö3plus) fanden Mediaprint (Krone, Kurier) und News-Gruppe mit den übrigen Vorständen keine gemeinsame Linie.

Die geplante Entspannungsübung "Aus dem Stress in die Balance" war im "Vital-Hotel" dennoch nicht so nötig: "Konstruktiv" und "ausgewogen" nennen Teilnehmer die Dienstag beendete Vorstandsklausur des VÖZ. Obwohl KroKuWAZ/News-Gruppe die ORF-Verteidigungslinie gegen die neuen Gesetze stützen, Qualitäts- und Bundesländerzeitungen hingegen ORF-kritische Positionen einnehmen.

"Ein paar Verschärfungen"

Man einigte sich gar auf "ein paar Verschärfungen" gegenüber dem Gesetzesentwurf. So fordert man nach Informationen des STANDARD, auch die Möglichkeiten des ORF bei Spartenkanälen zu beschränken. Ein Vorstandsmitglied nennt das - analog zur Formulierung des Kanzlers für den Programmauftrag - "Reinheitsgebot" auch für diese Programme. VÖZ-Sprecher Hannes Schopf wollte das Dienstag nicht kommentieren: "In einigen Bereichen werden noch Formulierungen gesucht, die es abzuklären gilt."

Einen der (von den Verlegern ausgeklammerten) Werbevermarkter prüft derzeit die EU-Wettbewerbskommission: Bis 21. Mai wird eine EU-Entscheidung über den mit Netway betriebenen Onlinevermarkter Adworx erwartet.

Der Fachverband Werbung findet im Entwurf nur die Beschränkung von Unterbrecherwerbung für den ORF gut. Und fordert definitionsgemäß "mehr Sonderwerbeformen" auf dem Küniglberg.

Persönlich hingegen geht ORF-Spitze - nach der Sondersitzung des ORF-Kuratoriums am Montag - spätestens Dienstag wieder in die Öffentlichkeit: Für ORF-General Gerhard Weis, ORF-Direktor Alexander Wrabetz und ORF-Studienautor Josef Trappel (Prognos AG) gibt es gar einen Sondertermin des "Zigarrenklubs" von Publico-Chef Wolfgang Rosam. (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.5.2001)

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