Grundsatzurteil in den Niederlanden erwartet

8. Mai 2001, 20:33
posten
Amsterdam - Ein niederländisches Berufungsgericht ist gestern, Dienstag, zusammengetreten, um ein Grundsatzurteil zur Sterbehilfe zu fällen. Vor dem Gericht in Amsterdam geht es um den Fall eines Arzts, der einem gesunden 86-Jährigen auf dessen Wunsch Sterbehilfe geleistet hat. Das Urteil gilt als wichtige Entscheidung über die Auslegung des neuen Gesetzes zur aktiven Sterbehilfe, das diese unter anderem nur bei "unerträglichen Leiden" des Patienten erlaubt.

Die Staatsanwaltschaft hatte Berufung gegen ein erstes Urteil eingelegt, das den Lebensüberdruss des früheren Senators Edward Brongersma als unerträgliches Leiden anerkannt hatte. Brongersma hatte seinen Arzt im März 1998 schriftlich gebeten, ihm beim Sterben zu helfen.

Die Richter und der Arzt argumentierten, dass der Politiker nach einem gescheitertem Selbstmordversuch seelisch litt und mit dem Leben nicht fertig wurde. Das reicht der Justiz aber nicht, um gut zu heißen, dass der Arzt ihm den "Giftbecher" reichte. Der alte Mann war nicht krank und hätte im eigenen Haus ohne finanzielle Not weiterleben können, sagt der Staatsanwalt.

Die Sterbehilfe wird in den Niederlanden seit 1997 toleriert. Ein Gesetz, das sie unter Auflagen ausdrücklich erlaubt, wurde im April vom Parlament verabschiedet.

Lebensüberdruss und allein die Furcht vor würdelosem Tod gelten aber nun - entgegen erster Absicht der Regierung - nicht mehr als rechtlich zulässige Gründe für aktive Sterbehilfe. Allerdings wird psychisches Leid anerkannt: Auch bei Alzheimer-Erkrankung soll der Patient Hilfe suchen dürfen.

Das Urteil war zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht bekannt. (AFP) (DER STANDARD, Print-Ausgabe 9. 5. 2001)

Share if you care.