Dritte Staffel: Portugal, Irland, Spanien, Frankreich, Türkei

8. Mai 2001, 23:48
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Zeit zum Klogehen, Snacks holen ... und ein Vollbad nehmen

Eines gleich vorneweg: diese 5er-Gruppe ist die vergähnteste von allen. - Wohlan, raffen wir uns zur Kurzbeschreibung auf:

11) PORTUGAL:

Vertraue niemals einem Lied, das dich gleich zu Beginn mit Stimmungslauten wie "Yee-heyyy!" oder "O-huoo-ouu!" einwickeln will! - Leistung bringen, dann kommt die Stimmung beim Publikum von ganz allein.

"Só sei ser feliz assim" ("The Only Way") des auf den Ebony-Ivory-Effekt setzenden Duos MTM ist die Sorte Lied, die man noch während des Hörvorgangs vergessen hat. Typisch Song Contest, Unterabteilung mediterran, Unterunterabteilung Westküste.

12) IRLAND:

Irlands alljährlicher Balladen-Schmock mit Favoritenstatus heißt heuer "Without Your Love" und wird von Gary O' Shaughnessy gesungen. Und jedes weitere Wort darüber wäre zuviel.

13) SPANIEN:

Was Nicht-Spanien-Reisende sich erst von Doch-Spanien-Reisenden bestätigen lassen müssen, ist dies: in der Tat tanzt man in den dortigen Bars zu Liedern wie "Dile que la quiero" ("Tell Her That I Love Her") auf den Tischen. Und wundert sich vermutlich, dass der Rest der Welt, der die eine Flamenco-Pop-Nummer von der anderen nicht wirklich unterscheiden kann, dies nicht tut. Und auch nie genug Punkte vergibt, um Spanien den Song Contest gewinnen zu lassen ...

David Civera ist der zweite Teilnehmer, der optisch auf Tarkan macht (ist überhaupt der Song Contest der Männer heuer; ungewöhnlich). Glutauge, Gelfrisur und Gesangstalent werden dem 22jährigen zwar sicher nicht zum Grand Prix-Sieg verhelfen - da ist der Musik-Geschmack der Nordwesteuropäer vor - , aber dafür kann er die Mega-Millionen-Bühne von Kopenhagen nützen, um sich Paneuropa als neue Latino-Hoffnung zu präsentieren. Zukunftsträchtiges Genre, wie wir an Ricky Martin sahen.

14) FRANKREICH:

Natasha St. Pier gehört zu denen, die schon als Kind immer gewusst haben, dass sie einmal Sänger(in) werden wollen. Naja, ist ja auch noch nicht gar so lange her. Trotzdem kann Natasha bereits auf zwei CDs und einige Musical-Erfahrung zurück blicken.

"Je n'ai Que Mon Âme" ("Only My Soul") ist wieder eine Ballade, in aufrichtiger Schönheit gesungen und deutlich daran erinnernd, dass Komponist Kapler auch schon Celine Dion beliefert hat. Natasha ist zu ihrem Glück jedoch nicht anorektisch, dafür stupsnäsig und kulleräugig, um Inbrunst bemüht - und damit das Maximum aus einem Lied ohne wirkliche Höhepunkte herausholend.

18 Sekunden hat es gedauert, bis zum ersten Mal die Worte "l'amour" fielen, wir haben mitgestoppt.

15) TÜRKEI:

Die Türkei gehört seit langem zu den absoluten Lieblingsländern der wahren Grand Prix-Fans - und zwar deshalb, weil sie sich nie für eine Extravaganza zu schade war. Leider, leider setzt sie heuer jedoch auf die Karte mit dem Schmölz.

Sänger Sedat Yüce - schon wieder so einer, der in seiner Kindheit schon gewusst hat usw... - bemüht sich zwar redlich, seinen Schlager "Sevgiliye Son" ("Good-Bye My Love") an den Mann und vor allem die Frau zu bringen ... allein, dafür ist der dann doch zu operettig. Das kommt davon, wenn man sein Lied von einem Archäologen komponieren lässt (Kein Scheiß!).

Der liebe Sedat würde sicher so manche Omi entzücken, doch liegen die um diese Zeit wohl alle schon in ihren Betten. Und den paar Omis, die dann in fremden Betten liegen, ist Sedat sicherlich zu brav.

*

Die nächsten Beiträge - England, Slowenien, Polen, Deutschland und Estland - werden sich danach wie Feger ausnehmen.

(Josefson)

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David Civera

Natasha St. Pier

(Information: Nicht alle TeilnehmerInnen verfügen über eine eigene Homepage.)
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