Max Edelbacher - Kieberer als Aushängeschild

8. Mai 2001, 19:08
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Das momentan im Aufbau befindliche Bundeskriminalamt hat Maximilian Edelbacher, den 57-jährigen Vorstand des Wiener Sicherheitsbüros, immer interessiert. Vor wenigen Monaten hatte er es sogar gewagt, sich als einziger SPÖ-naher Spitzenbeamter für den notwendigen Chefsessel im schwarzen Innenministerium zu bewerben. Bekommen hat er ihn nicht, im Headquarter sitzt er jetzt trotzdem. "Nachsitzen", meinen Kollegen aus der Nelkenfraktion. Weil das Team von VP-Innenminister Ernst Strasser keine Kritik vertrage.

Im Gegenteil, sagt die schwarze Reichshälfte. Es gebe keine parteipolitischen Präferenzen, die einzige Farbenkombination im Innenministerium sei Rot-Weiß-Rot. "Konstruktive Kritik" sei immer willkommen, deshalb solle Edelbacher auch gleich seine Erfahrungen ins Bundeskriminalamt einbringen. Vorerst einmal drei Monate lang. Der Rummel um seine Person muss "Edelmax", wie der schnauzbärtige Kriminalist in Polizeikreisen auch genannt wird, äußerst unangenehm sein. Mit aktiver Parteipolitik oder politischer Freunderlwirtschaft hatte er nie etwas am Hut. Wiewohl die Wiener Sozialdemokratie seiner Karriere natürlich nicht hinderlich war. Doch der erfolgreiche Werdegang des Familienvaters ergab sich durch fachliche Leistungen.

Dass Max Edelbacher, wenn er beim FBI anruft, mit "Hallo Max!" (Hälloo Määx!) begrüßt wird, ist keine übliche Kollegenfreundlichkeit. In den USA, aber auch in Russland, etwa bei Yakov Gilinskiy, dem Vizepräsidenten der russischen Akademie der Wissenschaften, gilt Edelbacher als kompetenter Ansprechpartner. Mit seiner Wahl zum Präsidenten des International Chapter der Academy of Criminal Justice Sciences (ACJS) mit Sitz in Highland Heights im US-Bundesstaat Kentucky wurde Edelbacher im Vorjahr endgültig zum österreichischen Aushängeschild der wissenschaftlichen Kriminalistik.

Der Weg war freilich lang: Nach dem Jusstudium arbeitete Edelbacher zwei Jahre lang in einer Bank, bevor er 1972 zur Polizei ging. Vier Jahre später übersiedelte er in Österreichs größte kriminalpolizeiliche Dienststelle, ins Wiener Sicherheitsbüro. Seine damaligen Erfahrungen als Spezialist für die Aufklärung von Versicherungsbetrug gab er in mehreren Büchern weiter. Vor dreizehn Jahren schließlich wurde er zum Leiter des Sicherheitsbüros ernannt.

Seine Chancen auf höhere Weihen wurden durch mehrere Skandale von Sicherheitsbüromitarbeitern (Folter bei Verhören, Drogenkonsum im Büro) zunichte gemacht. Edelbacher blieb jedoch Chef und reorganisierte das Haus an der Roßauer Lände in Wien-Alsergrund. Seitdem haben die Kieberer den Durchblick und Kottan das Nachsehen. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 9. 5. 2001)

von Michael Simoner
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