Stimmen aus Niederösterreich fordern Diskussion über Null- Variante

8. Mai 2001, 20:05
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Seit Dienstag gehört der "Stand der Technik" zur offiziellen Argumentationslinie des Landes

St. Pölten/Wien - Wichtig sei vor allem "der aktuelle Stand der Technik" im umstrittenen AKW Temelín, meint Niederösterreichs Grünen-Fraktionsvorsitzende Brigid Weinzinger. "Zumindest BRD-Standard" solle von der Bundesregierung zur Voraussetzung für den Abschluss des Energiekapitels vor Tschechiens EU-Beitritt gemacht werden. Ganz wie es die überparteilichen Anti-Atomorganisationen bei einem Treffen mit den St. Pöltner Landtagsparteien vor einer Woche eingemahnt hätten.

Seit Dienstag gehört der "Stand der Technik" zur offiziellen Argumentationslinie des Landes: In ihrem "Positionspapier gegen Temelín" fordere die Landesregierung erstmals "die vollständige Dokumentation ein, welche vor allem auch die Null-Variante, die Behandlung schwerer Unfälle sowie die Atommüllbeseitigung enthält", erläutert Umweltlandesrat Wolfgang Sobotka (VP). Ergänzungen zu der von Prag vorgelegten Umweltdokumentation waren davor auch schon von Regierungsseite verlangt worden.

Alles in allem also, laut Sobotka, "klare Positionen bei Beibehaltung der Dialogbereitschaft" mit den tschechischen Stellen. Grenzblockaden, meint auch Brigid Weinzinger, seien nur als "ein allerletztes Mittel" zu sehen.

Am Montag starteten in Temelín Demontagearbeiten zur Reparatur der defekten Turbine. Das AKW steht für zumindest zwei Monate still.

Am Dienstag schlugen Oberösterreichs Grüne eine internationale Temelín-Ausstiegskonferenz unter Beteiligung der EU vor. Diese solle im Spätsommer 2001 stattfinden, forderte Klubobmann Rudi Anschober. Jetzt sei "der Zeitpunkt gekommen, Ausstiegsangebote zu unterbreiten", meinte auch die SPÖ-Abgeordnete im Europäischen Parlament, Maria Berger. Schließlich seien die Bedingungen, die sich Prag selbst auferlegt hat, keine zusätzlichen Kosten zuzulassen und den Zeitplan beizubehalten, "mittlerweile obsolet". (bri, DER STANDARD, Print-Ausgabe 9. 5. 2001)

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