Moskauer Patriarch will Papst vorerst nicht einladen

9. Mai 2001, 21:29
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Alexi: Rom möchte sich "unter dem Vorwand der Versöhnung" in orthodoxen Ländern ausbreiten

Moskau - Papst Johannes Paul II. kann vorerst nicht mit einer Einladung der russisch-orthodoxen Kirche rechnen. Ein Papstbesuch in naher Zukunft sei "unwahrscheinlich", sagte der Moskauer Patriarch Alexi II. der russischen Nachrichtenagentur Interfax, wie Kathpress am Dienstag meldete. Haupthindernis für eine solche Reise sei, dass sich der Katholizismus in traditionellen Gebieten der russischen Orthodoxie "unter dem Vorwand der Versöhnung unter den verschiedenen Zweigen der Christenheit" ausbreite, so der Patriarch. Das betreffe Russland, Weißrussland, die Ukraine, Kasachstan und andere Gebiete der ehemaligen Sowjetunion.

Während seiner derzeitigen Reise nach Griechenland, Syrien und Malta hatte Johannes Paul um Vergebung für Sünden gebeten, die Katholiken an orthodoxen Christen, insbesondere während der Kreuzzüge, begangen haben. Zudem hatte er wiederholt zur ökumenischen Zusammenarbeit mit dem Ziel der Einheit aller Christen aufgerufen. Alexi II. hatte die Vergebungsbitte des Papstes gegenüber der Orthodoxie mit Zurückhaltung aufgenommen.

Derzeit befindet sich der griechische Primas Erzbischof Christodoulos auf Besuch in Russland. Die Papstreise nach Athen sowie die Beziehungen zwischen Katholizismus und Orthodoxie sind auch Gegenstand seiner Gespräche mit Patriarch Alexi II. und Präsident Wladimir Putin.

Gemeinsame Erklärung

Der Papst und Erzbischof Christodoulos hatten in Athen eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der "Gewalt, Proselytenmacherei (Bekehrungseifer) und Fanatismus im Namen der Religion" ausdrücklich verurteilt werden.

An der Frage des Proselytismus (Abwerben von Gläubigen) war im Juni 1997 ein katholisch-orthodoxer "Kirchengipfel" gescheitert, der in Österreich stattfinden sollte. Die russisch-orthodoxe Kirche machte damals ein Treffen des Moskauer Patriarchen mit dem Papst im niederösterreichischen Zisterzienserstift Heiligenkreuz von einer solchen gemeinsamen Erklärung abhängig, der sich der Vatikan jedoch verweigerte. Zudem fühlte sich der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel durch vatikanische Versuche brüskiert, ihn von einem solchen Treffen auszuschließen.

Alexi II. hatte den Papst erst kürzlich wieder aufgefordert, jede Form des Proselytismus offiziell zurückzuweisen und auf das "Eindringen" des Katholizismus in historische Territorien der Orthodoxie zu verzichten. (APA)

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