"Popper war ein akribisch genauer Mensch"

8. Mai 2001, 18:50
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Die umfangreiche Nachlass-Bibliothek von Sir Karl Popper wird in Klagenfurt zugänglich

Klagenfurt - Nach fast sechsjähriger Arbeit ist ab Freitag die Popper-Bibliothek an der Universität Klagenfurt öffentlich zugänglich. Die Einrichtung umfaßt den Nachlass des 1994 verstorbenen Philosophen, der vor fünf Jahren der Universität zur Verfügung gestellt worden war. Unter den Büchern Poppers befinden sich mehr als 300 äußerst wertvolle antiquarische Bände, zum Teil Erstdrucke. Weiters sind die mehr als 700 persönliche Werke des weltbekannten Philosophen darunter, dazu kommt Poppers sogenannte Arbeitsbibliothek mit mehr als 7.000 Büchern.

Im Mai 1995 hatte die Universität Klagenfurt anlässlich des 25-jährigen Bestehens 8.172 Bücher und unzählige Manuskripte aus dem Besitz des 1994 in London verstorbenen Philosophen erhalten. Das Bildungsministerium und die Landesregierung Kärnten hatten den Bestand um elf Millionen Schilling angekauft.

Ab August 1995 wurde gesichtet, geordnet und katalogisiert. In 224 Transportschachteln wurde die Sammlung angeliefert. Darin enthalten waren: 378 Bände schöngeistige Literatur des 15. bis 19. Jahrhunderts, 744 Ausgaben von Poppers eigenen Werken im Original und in Übersetzungen, 7.050 Bücher aus der Arbeitsbibliothek, jede Menge Fachzeitschriften und 462 Archivboxen mit Kopien seiner Manuskripte, Briefe und Notizen. "Popper war ein akribisch genauer Mensch, das machte die Arbeit relativ einfach", berichtete Julia Zellacher, Leiterin der Bibliothek.

Reaktion auf Werke anderer einsehbar

"Eine Entlehnung der Bücher ist bei uns nur mit einer geprüften Legitimation möglich", so Zellacher. Unter der Internet-Adresse sind von einer Datenbank Titel ebenso abrufbar wie Notizen und Manuskripte. "Für Forscher und Freunde von Popper ist es interessant, dass nun auch die unmittelbare Reaktion des Philosophen auf die Werke anderer Autoren einsehbar sind", ist Manfred Lube, Direktor der Universitätsbibliothek, stolz auf die eigene Aufbereitung der Notizen, die sich Popper beim Lesen seiner Bücher am Seitenrand gemacht hat.

Die Bibliothek umfaßt naturwissenschaftliche Bücher, Beschreibungen von Expeditionen ebenso wie Geschichtswerke und schöngeistige Literatur. Karl Popper, bekannt für seinen kritischen Rationalismus und seine Leidenschaft für die Demokratie, kehrte in den 30er Jahren Österreich den Rücken und ging nach London, von wo aus er eine internationale Karriere machte. "Die zweite Republik hat es leider verabsäumt, den großen Denker nach Österreich zurückzuholen. Wir sind stolz darauf, dass wir nun wenigstens seinen Nachlass der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben", so Zellacher. (APA)

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