"Bilder wider das Vergessen"

8. Mai 2001, 15:02
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Erstmals Arbeiten des Roma-Malers Stojkas in Kärnten gezeigt

Klagenfurt - Erstmals sind Bilder des 70-jährigen Rom Karl Stojka in Kärnten zu sehen. Mit elf Jahren wurde Stojka gemeinsam mit seiner Familie von den Schergen des Nationalsozialismus verschleppt. Er durchlebte mehrere Stationen in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Flossenbürg und Buchenwald. Im Jahr 1945 wurde er im Alter von 14 Jahren, bereits auf dem "Todesmarsch", von amerikanischen Soldaten befreit.

Die Eindrücke von damals konnte er nie vergessen. "Ich wollte die Bilder ja eigentlich nicht machen, denn sie sind so schiach - aber so war meine Kindheit und Jugend eben", erklärte der Künstler bei der Eröffnung der Ausstellung Montag Abend an der Universität Klagenfurt. Die beklemmenden Bilder sprechen zum Betrachter wie Tagebücher des Grauens: Das Hakenkreuz als Totenbett des Bruders mit folgender Widmung: "Mein Bruder Ossi Z5743, in Birkenau 1943 an Hunger und Flecktyphus gestorben". Ein anderes Bild zeigt das Motiv einer Romaruine, ein verlassener Wagen mit der Aufschrift: Wir Sinti sind in der Gaskammer in Auschwitz.

Geschichte mitteilen

Stojka sieht seine Aufgabe darin, als Überlebender von Auschwitz immer wieder vor die junge Generation hinzutreten und mit eindrucksvollen Worten seine Geschichte von sterbenden Kindern, Hunger und Gewalt zu erzählen - unterstützt von seinen Bildern. "Gott hat Menschen gemacht. Nicht Klagenfurter, Wiener, Zigeuner oder Ausländer", plädiert er für Toleranz und Verständnis im Alltag, um die Wiederholung der Geschichte zu vermeiden.

Organisator der Ausstellung ist Peter Gstettner, Professor für Psychologie an der Universität Klagenfurt. Ihm sei es ein Herzenswunsch gewesen, diese Bilder an die Universität zu bekommen: "Karl Stojkas Geschichte ist nicht nur eine individuelle. Sie steht auch stellvertretend für all jene Opfer der NS-Zeit, die Gleiches erleben mussten." Gerade der akademische Boden sei auch der Richtige für eine solche Ausstellung, meinte Gstettner, da Bildung auch damals nicht davor geschützt habe, zum Schreibtischmörder zu werden. "Gerade Akademiker wie Ärzte, Techniker oder Anwälte trugen viel zum Gelingen des Massenmordes bei", erklärte der Psychologe. (APA)

Stojka/Pohanka: Auf der ganzen Welt zu Hause. Das Leben und Wandern des Zigeuners Karl Stojka. Picus. Wien. 1994
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