Politstreit um Tiroler Bankenfusion hält an

8. Mai 2001, 19:09
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Gutachten positiv, Entscheidung verschoben

Innsbruck - Das von der Tiroler Landesregierung in Auftrag gegebene Züricher Gutachten zur geplanten Holding zwischen der Hypo Tirol und der Südtiroler Sparkasse ist eindeutig positiv. Dennoch hält der Politstreit an. SP-Chef Herbert Prock macht aus seiner anhaltenden Gegnerschaft kein Hehl, für ihn ist das Gutachten "lapidar". Die VP/SP-Regierung hat daher am Dienstag keine Vorentscheidung getroffen und bittet die Züricher Bankökonomen zum Hearing.

Nach Prüfung mehrerer Alternativen (Anteilsverkauf, u. a. aufgrund eines Angebots der RLB sowie Beibehalten des Status quo) empfehlen die Gutachter Hans Geiger und Rudolf Volkart dem Land, "der von den Organen der Hypo Tirol Bank AG einstimmig beantragten Kooperation mit der Sparkasse Südtirol in Form einer Management-Holding zuzustimmen und diese rasch umzusetzen". Im Wesentlichen teilen die Züricher Ökonomen damit die Beurteilung der "fachkundigen Expertengutachten" von KMPG Wien und Mailand sowie von Price Watherhouse, die der Bank ebenfalls die Holding nahe gelegt haben. Die Züricher Gutachter haben aber zudem nicht nur die Entwicklung der Bank, sondern auch die Folgen für den Alleinaktionär Land Tirol sowie für den "Wirtschaftsstandort und Arbeitsplatz Tirol" zu bewerten und sehen unter all diesen Gesichtspunkten die Holding als beste Lösung.

Die Holding wird vor allem wegen der zu erwartenden Marktführerschaft am dann gemeinsamen Bankplatz "Europaregion Tirol-Südtirol" bevorzugt, angesichts der Tatsache, dass die "Exponenten der Tiroler Politik und Banken einhellig" die Expansion nach Südtirol und Trentino "als sinnvoll" bezeichneten. Ein möglicher Steuerabgang bei einem Holding-Sitz in Bozen sei "materiell nicht relevant".

Landeshauptmann Wendelin Weingartner spricht von "klaren Aussagen, wie sie in der Schweiz üblich sind". Sein Vize, der Holding-Skeptiker VP-Chef Ferdinand Eberle, sieht zwar "keinen Anlass, das Gutachten in Zweifel zu ziehen", schließt aber "Nachjustierungen nicht aus". (bs/DER STANDARD, Printausgabe 9.5.2001)

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