Serbien will vertuschtes Kriegsverbrechen untersuchen

8. Mai 2001, 14:51
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Leichenfund in Kühlwagen nicht mehr als "Staatsgeheimnis" deklariert

Belgrad - Das serbische Innenministerium will ein mutmaßliches Kriegsverbrechen untersuchen, das vor zwei Jahren begangen worden sein soll. Damals während der NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien war der Fall zum "Staatsgeheimnis" erklärt worden. Unweit der ostserbischen Stadt Kladovo waren am 6. April 1999 in einem Kühlwagen 40 Leichen, vermutlich Kosovo-Albaner, entdeckt worden. Das Innenministerium teilte nun mit, dass eine Sondergruppe diesen Fall untersuchen soll. Der Bezirksstaatsanwalt von Kladovo Miroslav Srzentic sagte, vor zwei Jahren habe die Polizei Ermittlungen in der Sache verhindert.

Aufforderung des Menschenrechtsfonds

Erst kürzlich hatte der Belgrader Menschenrechtsfonds die serbischen Behörden aufgefordert, das Schicksal von rund 800 Kosovo-Albanern zu untersuchen, die während des Krieges im Kosovo von jugoslawischen Sicherheitskräften ermordet wurden und deren Leichen man nie entdeckt hat. Die Experten der Menschenrechtsorganisation schließen die Möglichkeit nicht aus, dass die Leichen womöglich irgendwo in Serbien in Massengräbern verscharrt wurden.

Die Leiterin des Menschenrechtsfonds, Natasa Kandic, sagte dem Belgrader Radiosender "B-92", es könnte sich bei den im Kühlwagen bei Kladovo entdeckten Leichen um Kosovo-Albaner handeln. Der Kühlwagen trägt eine Nummerntafel der im Kosovo liegenden Stadt Pec. Dem Menschenrechtsfonds liegen Informationen vor, dass jugoslawische Sicherheitskräfte im März 1999 in Pec etwa 40 Albaner ermordet hätten, unter denen sich aber keine Kinder befunden hätten. Augenzeugen wollen im LKW, der bei Kladovo entdeckt wurde, auch Kinderleichen gesehen haben.

In der Donau versenkt

Der LKW, der in der Donau versenkt worden war, wurde im April 1999 gehoben. Sicherheitskräfte transportierten ihn ab und sollen ihn an einem Polizeistützpunkt bei Kladovo in die Luft gesprengt haben. (APA)

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