Tirol: Großer Fund aus der Bronzezeit

8. Mai 2001, 20:03
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Pillerhöhe gilt als alter Kultplatz

Innsbruck - Konrad Spindler, Leiter des Innsbrucker Instituts für Ur- und Frühgeschichte, spricht von einem "Sensationsfund": Mehr als 300 Gegenstände aus der 3500 Jahre zurückliegenden Bronzezeit, darunter Sicheln, Beile, Schwerter, aber auch Schmuck und Gefäße, wurden am Sonntag von einem Hobbyarchäologen nahe dem Pillersattel, der das Pitz-und Kaunertal verbindet, in einer Felsritze gefunden.

Die Gegenstände seien überwiegend in einem hervorragenden Zustand, zum Teil seien unversehrte Lederriemen und Bänder daran befestigt. Zwar gilt die Pillerhöhe als alter Kultplatz, für den als Ötzi-Forscher bekannt gewordenen Spindler ist allerdings "ganz Tirol fundträchtig".

Die Rolle Tirols als Passland sei dabei ein entscheidender Faktor. Es sei davon auszugehen, dass einige der Fundgegenstände in Tirol hergestellt worden sind, andere würden auf Verbindungen "in aller Herren Länder hinweisen". Eine der künftigen Forschungsaufgaben werde es sein, anhand des Funde mehr über den urgeschichtlichen Handel zu erfahren, über den das Gebiet des heutigen Tirols mit den mediterranen Völkern und jenen nördlich der Alpen verbunden war.

Die Fundstelle wurde nicht ganz zufällig aufgespürt. Wie Spinder erklärt, arbeite sein Institut seit einigen Jahren gezielt mit Hobbyarchäologen zusammen. Vermutlich wird der Fund am Mittwoch nach Innsbruck gebracht, wobei auch nicht einfache konservatorische Fragen zu lösen sein werden, nachdem auch organische Bestandteile (Leder, Holz) dabei sind. Völlig offen sei, in welchem Museum der "qualitativ und quantitativ außerordentlich wertvolle Fund" nach dessen wissenschaftlicher Auswertung landen wird. (hs, DER STANDARD, Print-Ausgabe 9. 5. 2001)

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