Killerfrequenz

8. Mai 2001, 13:48
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Ultraschall gegen Schadstoffe

Schadstoffe im Trinkwasser könnten vielleicht bald besonders umweltfreundlich mithilfe von Schallwellen abgebaut werden. In Flüssigkeiten, die mit Ultraschall "beschossen" werden, bilden sich Bläschen, die schlagartig wieder in sich zusammenfallen. Bei diesem "Kavitation" genannten Prozess herrschen in den Gasblasen für sehr kurze Zeit extrem hoher Druck und heiße Temperaturen, die sogar organische Schadstoffe zersetzen und in unschädlichere Komponenten umwandeln können. Durch die extremen Bedingungen in den Blasen wird aber auch Licht ausgesendet. Forscher der amerikanischen Purdue University nutzten dieses Phänomen der Sonolumineszenz nun erstmals, um die Effizienz verschiedener Frequenzen beim Abbau von Schadstoffen zu messen.

In einem Laborexperiment schickten sie Ultraschallwellen mit verschiedenen Frequenzen durch einen wassergefüllten Testreaktor, dem der organische Schadstoff 1,4-Dioxan zugesetzt worden war. Die Intensität der durch Kavitation entstandenen Lichtblitze wies die Frequenz 358 Kilohertz deutlich als effizientesten Schadstoffvernichter aus. Ähnlich schnelle Abbauraten konnten auch bei anderen organischen Verbindungen wie Benzinzusatzstoffen und Pestiziden beobachtet werden. Nun wollen die Forscher die "Killerfrequenz" auch in größeren Reaktoren testen, um den Schritt zur großindustriellen Anwendung zu schaffen und in weiterer Folge den Chemikalieneinsatz in der Wasserreinigung zu reduzieren (Journal of Physical Chemistry A).

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 08.05.2001)

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