Puzzle aus Marmor

10. Mai 2001, 15:24
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Virtuelle Fragmente des antiken Roms

Der in Marmor geritzte Stadtplan "Forma Urbis Romae" zierte einst eine Wand des Templum Pacis im antiken Rom. Die rund 13 Meter hohe und 18 Meter breite Karte zeigte jede Straße, jedes Gebäude und jede Stiege im Rom des 3. Jahrhunderts n. Chr., zu einer Zeit, als die Stadt mehr als eine halbe Million Einwohner zählte. Etwa 15 Prozent des steinernen Stadtplans haben den Niedergang des römischen Imperiums überlebt - leider nur in Bruchstücken.

Vor zwei Jahren kamen zu den bisher bekannten 1163 Fragmenten weitere 30 hinzu, die nun Ende Mai eine Reise nach Stanford antreten werden. Computertechnologen werden dort die Puzzlestücke mit modernsten Lasergeräten vermessen und in hochpräzise, dreidimensionale Modelle umwandeln. Da die Mehrzahl der Teile derzeit im Keller eines römischen Museums lagert, soll das Puzzle durch eine visuelle Datenbank einem größeren Forscherkreis zugänglich gemacht werden. Archäologen in aller Welt können dann die digitalisierten Fragmente auf ihren Computerbildschirm holen und von allen Seiten betrachten. Insgesamt wurden bisher erst 200 Stücke identifiziert - darunter Teile des Kolosseums und des Circus Maximus. In einem nächsten Schritt wollen die Computerexperten daher ein Programm entwickeln, das durch Analyse der Ritzmuster, Dicke, Maserung und Bruchlinien der Fragmente weitere Teile des Puzzles elektronisch zusammenfügt - möglicherweise kommen dabei auch bisher unbekannte Monumente zum Vorschein.

(ap, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 08.05.2001)

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